Bundespräsidialamt verhindert Klarsfeld-Ehrung
Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld soll kein Bundesverdienstkreuz bekommen. Mit diesem Beschluss wendet sich das Bundespräsidialamt gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Ende 2011 eine Ehrung befürwortet hatte. "Der Vorschlag für Frau Beate Klarsfeld wurde im Einvernehmen mit Ihnen von der Liste genommen", schrieben die Beamten von Bundespräsident Christian Wulff nun an die Berliner Senatskanzlei. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz weist diese Darstellung zurück: "Berlin hat seine befürwortende Stellungnahme nicht zurückgezogen, sondern steht nach wie vor zu dem Vorschlag Beate Klarsfeld." Im Streit zwischen Wulffs und Wowereits Beamten geht es offenbar auch um die Ohrfeige, die Klarsfeld 1968 unter dem Ruf "Nazi, Nazi" Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verpasste. Wowereits Senatskanzlei hatte Klarsfelds "außergewöhnliche Aktionen" gewürdigt, diese hätten "die Aufmerksamkeit auf ein weithin verdrängtes historisches Erbe gelenkt". Klarsfeld, die gemeinsam mit Ihrem Mann Serge den "Schlächter von Lyon", Klaus Barbie, aufgespürt hatte, wurde seit 1998 mehrmals vergeblich für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ernannte sie kürzlich zum Kommandeur des Nationalen Verdienstordens – und lobte ihren Angriff auf Kiesinger: "Mit dieser Ohrfeige" habe sie "die Revolte junger Deutscher verkörpert".