FDP-Politiker Kubicki und Barschel-Aufklärer Kerssenbrock attackieren einander mit Strafanzeigen
Der Kieler Rechtsanwalt und Notar Trutz Graf von Kerssenbrock und Wolfgang Kubicki, FDP-Spitzenkandidat für die schleswig-holsteinische Landtagswahl im Mai, haben sich gegenseitig mit Strafanzeigen überzogen. Kerssenbrock, der 1987 als CDU-Aufklärer im Barschel-Untersuchungsausschuss bekannt wurde und mit Kubicki von 1995 bis Ende 2009 eine Anwaltssozietät unterhielt, wirft seinem Ex- Partner schweren Betrug und Untreue vor.
Der FDP-Politiker habe gewusst und geduldet, so Kerssenbrock in seiner Strafanzeige, dass der Steuerberater Joachim Stange, der "seit Jahren die Buchhaltung der FDP-Landtagsfraktion" führe und mit Kubicki "auf das Engste befreundet" sei, die Anwaltssozietät um fast 450.000 Euro geprellt habe. Stange, der seit 1995 mit der Kanzlei Kubicki Graf Kerssenbrock eine Bürogemeinschaft bildete, habe in den letzten zehn Jahren der Nutzung "keinerlei Miete bzw. Nutzungsentschädigung" gezahlt - obwohl er mehr als die Hälfte der gemeinsamen Bürofläche genutzt habe.
Kubicki und Stange weisen die Anschuldigungen zurück. Die von Kerssenbrock behauptete Raumaufteilung habe es so nie gegeben. Überdies habe Stange für die Kanzlei alle Abrechnungs- und Steuerangelegenheiten unentgeltlich übernommen.
Ende vergangener Woche stellte Kubicki dann seinerseits Strafanzeige gegen Kerssenbrock - wegen "Verdachts der falschen Verdächtigung sowie der versuchten Erpressung".
In seiner Strafanzeige beschreibt Kubicki die Verhandlungen zur Auflösung der gemeinsamen Sozietät, bei denen Kerssenbrock seine Geldforderung mit einem eindeutigen Hinweis untermauert haben soll. Es könne Kubicki "doch im beginnenden Wahlkampf nicht recht sein, wenn es ein Strafverfahren" gegen Herrn Stange gebe. Schließlich würde niemand glauben, dass Kubicki von den "Machenschaften" seines Freundes nichts gewusst habe. Kerssenbrock bestreitet diese Darstellung.