Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Arcandor-Vorstände wegen Insolvenzverschleppung
Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt unter dem Aktenzeichen 64 Gs 2361/11 gegen neun ehemalige Vorstände des pleitegegangenen Handelskonzerns Arcandor wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung - darunter auch den ehemaligen Firmenchef Thomas Middelhoff. Die Ermittler interessiert besonders, ob die ehemalige Karstadt-Mutter bereits im August 2008, also zehn Monate vor dem Insolvenz antrag, zahlungsunfähig war. Ein mögliches Indiz dafür könnte eine Rechnung der Investmentbank Goldman Sachs vom 19. August 2008 über gut 4,7 Millionen Euro sein. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei diese "über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen durch die damaligen Verantwortungsträger aus Grün den von Liquiditätsengpässen bewusst nicht bezahlt worden", wie es in den Ermittlungsakten heißt. Zudem prüfen die Ermittler, ob Arcandor 2008 nicht die Verluste von Tochterunternehmen hätte ausgleichen müssen - und ob dies dann nicht zur Zahlungsunfähigkeit der Mutter geführt hätte. "Nachdem die Staatsanwaltschaft in den Kernbereichen ihrer Arcandor-Ermittlungen offenbar nicht fündig geworden ist, nimmt man sich jetzt die Randbereiche vor. Das zeigt doch, auf welch tönernen Füßen die Ermittlungen stehen", kommentiert Middelhoffs Anwalt Sven Thomas das Verfahren.