Geheimes Gutachten zur SPIEGEL-Affäre freigegeben - DER SPIEGEL
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Geheimes Gutachten zur SPIEGEL-Affäre freigegeben

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Das Bundesverteidigungsministerium hat ein bislang geheimes Schlüsseldokument zur SPIEGEL-Affäre 1962 freigegeben. Es geht um ein Gutachten für die Bundesanwaltschaft zur Titelgeschichte "Bedingt abwehrbereit" (Heft 41/1962), das seinerzeit Heinrich Wunder aus der Rechtsabteilung des Ministeriums verfasst hatte. Wie aus dem Dokument hervorgeht, beschuldigte Wunder den SPIEGEL, einen "außergewöhnlich schwerwiegenden Einbruch in den Geheimbereich der Bundeswehr" begangen zu haben, "zweifellos unter Mitwirkung maßgeblicher Geheimnisträger". Das Gutachten führte dazu, dass Rudolf Augstein und weitere Redakteure wegen des Verdachts auf Landesverrat verhaftet wurden. Der Vorwurf erwies sich als haltlos, das Verfahren wurde 1965 eingestellt.

Im Verteidigungsministerium sorgte die kürzlich erfolgte Freigabe des Dokuments durch ein Expertenteam für Konfliktstoff. Der jetzige "Gutachter in Landesverratsverfahren" des Ministeriums, ein Nachfolger Wunders, erfuhr von der Freigabeentscheidung erst im Nachhinein. Wie das Ministerium mitteilt, hält er den Inhalt des Papiers für "weiterhin schützenswert". Nach Einschätzung des Gutachters könnten sich die Experten strafbar gemacht haben.