Unicef-Mitarbeiterin Verena Knaus über die Abschiebung von Kosovo-Flüchtlingskindern und deren Suizidgedanken - DER SPIEGEL
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Unicef-Mitarbeiterin Verena Knaus über die Abschiebung von Kosovo-Flüchtlingskindern und deren Suizidgedanken

Die leitende Unicef-Mitarbeiterin Verena Knaus, 35, über die Abschiebung von Kosovo- Flüchtlingskindern und deren Suizidgedanken
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Macht Abschiebung krank?

Knaus: Ja. Wir haben in einer großen Unicef-Studie erstmals die Gesundheit von 164 Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren untersucht, die mit ihren Familien aus Deutschland und Österreich ins Kosovo abgeschoben wurden. Viele klagten über Nervosität, Angst, Schwindel, Alpträume, Kopf- und Magenschmerzen. Jedes dritte Kind und jeder dritte Jugendliche hatte posttraumatische Belastungsstörungen, wie sie bei Kriegsteilnehmern diagnostiziert werden. Fast die Hälfte der Jugendlichen hat Depressionen, ein Viertel äußert Suizidgedanken. Das ist erstaunlich, denn sie haben den Konflikt im Kosovo gar nicht selbst erlebt. Sie waren in Deutschland, viele sind hier geboren worden.

SPIEGEL: Was ist die Ursache?

Knaus: Etwa die Hälfte der Befragten hatte traumatische Erlebnisse während der Abschiebung. Aber auch die Angst davor war belastend und die fehlende Unterstützung der Eltern, die selbst Hilfe gebraucht hätten.

SPIEGEL: Durften die Flüchtlinge hier zu lange bleiben?

Knaus: Deutschland war im europäischen Vergleich sehr großzügig bei der Aufnahme der Menschen, das sollte auch nicht zum Vorwurf gemacht werden. Die Verweildauer im Zufluchtsland ist allerdings auch ausschlaggebend dafür, wie traumatisierend eine spätere Abschiebung wirkt. Wichtig ist zudem die Frage, ob die Flüchtlinge in ihrem Heimatland zu einer Minderheit oder zur Bevölkerungsmehrheit gehören.

SPIEGEL: Was sollten die deutschen Behörden tun?

Knaus: Derzeit geht es noch um höchstens 6000 Roma-Kinder aus dem Kosovo in Deutschland, über deren Zukunft entschieden werden muss. Für diese kleine Gruppe sollte man eine politische Lösung finden, damit die Betroffenen bleiben können.