Brüssel fordert Subventionen an ostdeutsche Unternehmen zurück
Der Bundesregierung steht wegen Subventionszahlungen an ostdeutsche Unternehmen neuer Ärger mit der Europäischen Union ins Haus. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, hat die Brüsseler Behörde die Kriterien für Rückzahlung staatlicher Beihilfen verschärft. Das Magazin beruft sich auf einen vertraulichen Bericht der Kommission zu einem Beihilfeverfahren in Brandenburg.
Das Halbleiterwerk in Frankfurt/Oder erhielt vom Bund und Land Subventionen in Höhe von 140 Millionen Mark. Dennoch ging das Unternehmen vor drei Jahren in die Gesamtvollstreckung. Noch während die EU die rechtmäßige Verwendung der Beihilfen prüfte, verkaufte der Verwalter die Vermögenswerte des Unternehmens. Nach Meinung der EU-Beamten, um eine Rückforderung der Subventionen ins Leere laufen zu lassen. "Um eine Umgehung ihrer Entscheidung vorzubeugen", entschieden die EU-Beamten, dass auch Käufer von Unternehmen, die unrechtmäßig Beihilfen bekommen haben, für deren Rückzahlung in die Pflicht genommen werden müssen.
Sollte die EU-Entscheidung zu dem Frankfurter Chip-Werk symptomatisch für künftige Beihilfeverfahren sein - die Folgen für viele Ost-Betriebe wären desaströs. Nach Angaben des SPIEGEL stehen noch in mehr als 30 Fällen Genehmigungen aus Brüssel aus, etwaige Rückzahlungsforderungen könnten leicht die Milliarden-Grenze überschreiten. Allein in Sachsen-Anhalt wären mehr als 1000 Arbeitsplätze akut bedroht. Immer wenn Brüssel staatliche Zahlungen moniert, bliebe den Unternehmen dann nur noch übrig, den "Laden dich zu machen", sagte der Magdeburger IG-Metall-Bevollmächtigte Claus Matecki dem SPIEGEL. (DER SPIEGEL 26/00, Seite 94)