Neue Kartell-Vorwürfe gegen E.on und Gaz de France - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neue Kartell-Vorwürfe gegen E.on und Gaz de France

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zwei der größten europäischen Energieversorger sollen seit Ende der neunziger Jahre ein verbotenes Quotenkartell gebildet haben. Der Düsseldorfer E.on-Konzern und die französische Gaz de France (GDF), die heutige GDF Suez, haben womöglich Gaspreise und -mengen für Berlin und Teile des ostdeutschen Marktes abgesprochen und vertraglich festgelegt. Betroffen sind der Berliner Energieversorger Gasag und seine rund 700.000 Kunden, die möglicherweise über Jahre hinweg deutlich zu hohe Gaspreise gezahlt haben. Dadurch soll ein mehrstelliger Millionenbetrag Schaden entstanden sein. E.on und GDF Suez sind zugleich Hauptlieferanten und – gemeinsam mit dem Vattenfall-Konzern – Eigentümer der Gasag. Sie sollen sich 1999 zusammen mit dem ostdeutschen Lieferanten VNG darauf geeinigt haben, den Gasbedarf der Gasag über 20 Jahre unter sich aufzuteilen und den Preis an den Ölpreis zu koppeln. Laut internen Dokumenten soll E.on die Gaslieferung für die französische GDF Suez übernommen haben, die damals neu in das Berliner Unternehmen eingestiegen war. Im Gegenzug, heißt es dort, habe GDF Suez der Düsseldorfer E.on größere Gaslieferungen nach Frankreich ermöglicht. Weil infolge der Finanzkrise die Gaspreise drastisch gefallen sind, die Gasag aber weiterhin an ihre überhöhten Preise gebunden ist, soll sie massiv Kunden verloren und allein zwischen 2008 und 2011 einen Schaden von rund 110 Millionen Euro erlitten haben. Erhoben werden die Vorwürfe gegen E.on und GDF Suez von dem Aufsichtsratsmitglied und früheren Chef des Kontrollgremiums der Gasag, Karl Kauermann. Er unterstützte 2011 eine bisher unbekannte Klage des Gasag-Vorstandes gegen GDF Suez sowie ein Schiedsverfahren gegen E.on wegen der Kartellvorwürfe. Ende 2011 legten Gasag und GDF Suez den Streit mit einem Vergleich bei. Weil Kauermann den Vergleich für die Gasag für nachteilig hält, geht er jetzt vor dem Berliner Landgericht gegen die Gasag und den Vergleich vor. E.on und GDF Suez bestreiten die Vorwürfe. Ein wettbewerbswidriges Kartell habe es genau so wenig gegeben wie Absprachen zu Lasten der Gasag oder deren Kunden.