Neue Razzien gegen Krebsärzte wegen des Verdachts auf Bestechung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neue Razzien gegen Krebsärzte wegen des Verdachts auf Bestechung

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Zahl der Krebsärzte und Apotheker, die ins Visier der Ermittler geraten, hat sich vergangene Woche erneut erhöht. Die Staatsanwaltschaft Hannover ließ in insgesamt 13 Bundesländern mehr als 200 Büros und Wohnungen von Onkologen und Krebs apothekern durchsuchen. Sie werden verdächtigt, vom Pharmaunternehmen Lapharm und dessen Partner rgb Onkologisches Management regelmäßig Honorar für die Verordnung der Lapharm-Krebsmittel bekommen zu haben. Außerdem soll Lapharm kooperationswillige Ärzte mehrfach zu angeblichen Fortbildungsveranstaltungen nach Mallorca eingeladen haben. Die Ermittlungen in Hannover leitet die Staatsanwältin Maren Stolper, die zu jener Ermittlungsgruppe gehört, die auch die Vorwürfe gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff prüft. Nach ihren Angaben haben sich die Ärzte dem Verdacht der Bestechlichkeit ausgesetzt, gegen die Apotheker ermittelt sie wegen Beihilfe zur Bestechung. Zu den Apothekern, die ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sind, gehört auch Oliver Tamimi, der in Berlin die Waage-Apotheke führt. Tamimi betreibt zusammen mit 50 Krebsapothekern seit Anfang dieses Jahres die Pharmafirma Omnicare (SPIEGEL 16/2012). Die gegen ihn erhoben Vorwürfe weist er zurück. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wiederum hat am Dienstag nach Ostern die Geschäftsräume von Zyo Pharma durchsucht. Der Verdacht auch hier: Bestechung von Krebsärzten. Zyo Pharma bestreitet allerdings die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Oktober gegen den Hersteller Ribosepharm, der ebenfalls über rgb Geld an Krebsärzte ausgeschüttet hat. Laut einer rgb-internen Honorarliste konnte ein Arzt mehrere hundert Euro pro Patient dazuverdienen. Weder Lapharm noch rgb äußerten sich aktuell auf Anfragen.