Quelle-Erbin offenbar für finanziellen Ruin selbst verantwortlich
Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz trägt offenbar eine weit größere Verantwortung für ihren finanziellen Ruin als von ihr behauptet. Wie aus einem Papier des früheren KarstadtQuelle- Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff hervorgeht, hatte er ihr im Jahr 2006 den Rat gegeben, einen großen Teil ihrer Konzernaktien zu verkaufen. Damit könnte ein wichtiger Baustein ihrer angedrohten Milliardenklage – unter anderem gegen das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim und den Troisdorfer Immobilienentwickler Josef Esch – wegbrechen. In einem 201 Seiten umfassenden Klageentwurf hatte sich Schickedanz als naive Erbin präsentiert, die als Strohfrau missbraucht und von der Bank und von Esch in immer neue Aktienkäufe auf Kredit getrieben worden sei. Dagegen habe sie sich nicht wehren können. Von dem Rat, mit einer Milliardenzahlung aus dem Unternehmen auszusteigen, findet sich in diesem Papier keine Zeile. Manager Middelhoff hatte die damalige Milliardärin am 26. März 2006 in ihrer Villa im fränkischen Hersbruck besucht und ihr eine 20-seitige PowerPoint-Präsentation mit dem Titel "KarstadtQuelle AG Neu Wertmaximierungsstrategien" vorgelegt. Darin kam Middelhoff zu dem Ergebnis: "Teilverkauf entweder über die Börse oder an Einzelinvestor erscheint als vielversprechendste Strategie." Auf diese Art seien bis zu eine Milliarde Euro zu erlösen. Durch den Verkauf hätte Schickedanz genug Geld gehabt, um sämtliche Schulden abzulösen, die sie zuvor für den Kauf von KarstadtQuelle-Aktien aufgenommen hatte. Doch Madeleine Schickedanz folgte dem Rat nicht und lehnte einen Verkauf ihrer Aktien ab. Zwei Jahre später soll Middelhoff die Großaktionärin noch einmal darauf hingewiesen haben, dass die Aktien am Markt platziert werden könnten. Tatsächlich aber behielt Schickedanz ihre Aktien, bis sie mit der Insolvenz des zwischenzeitlich in Arcandor umbenannten Konzerns so gut wie wertlos wurden. Gegen die Darstellung ihrer Anwälte, wonach Schickedanz nicht verantwortlich für ihren Vermögensverlust sei, spricht auch ein Vermerk aus einer Sitzung der Schickedanz Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG. Auf deren Gesellschafterversammlung am 15. Juni 2005 parierte Schickedanz ausweislich des Sitzungsprotokolls Kritik an ihren Aktienkäufen auf Kredit mit den Worten, sie werde dort, wo sie das Risiko trägt, allein entscheiden.