Brandenburger Verfassungsschutz führte kriminellen Neonazi als V-Mann
Der Verfassungsschutz des Landes Brandenburg hat einen wegen Mordversuchs verurteilten Neonazi seit Jahren als V-Mann geführt. Dies berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Der aus West-Berlin stammende Neonazi war nach der Wende in den Osten gezogen. 1992 beteiligte er sich nach Angaben des Blattes an einem Mordversuch an einem nigerianischen Asylbewerber. 1995 wurde er dafür vom Landgericht Frankfurt (Oder) zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Er sei der "Führer der Meute" gewesen, hieß es in dem Urteil.
Schon in der U-Haft bot der Neonazi laut SPIEGEL dem brandenburgischen Verfassungsschutz 1994 seine Dienste an. Der damalige Innenminister Alwin Ziel (SPD) genehmigte die Anwerbung. Brandenburgs heutiger Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) erklärte gegenüber dem SPIEGEL, die Parlamentarische Kontrollkommission des Landtags sei über den Vorgang "kontinuierlich und umfassend" informiert worden.
Bereits 1991 war der Mann, den der Verfassungsschutz unter dem Decknamen "Piato" führte, ins Visier der Generalbundesanwaltschaft geraten. Er wollte damals einen Ableger der amerikanischen Rassistenbewegung Ku Klux Klan in Deutschland gründen. Seine umfangreiche Informationstätigkeit wurde mit monatlich bis zu 1000 Mark entlohnt.