Türken unter Verdacht der Steuerhinterziehung
In Deutschland lebende Türken sind ins Visier der Steuerfahndung geraten. Beamte aus der Hauptstadt und aus Hessen haben nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL am vorvergangenen Dienstag die Repräsentanzen der Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankasi (TCMB) in Berlin und Frankfurt am Main durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt unter dem Aktenzeichen 94 Js 19477.9/99 gegen bekannte und bisher noch unbekannte Kunden der Türkischen Nationalbank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Fahnder rechnen mit "möglicherweise 100.000 Fällen oder mehr".
Auf das Sonderkonto 08 172 44400 der TCMB bei der Dresdner Bank, die zeitgleich durchsucht wurde, können in Deutschland lebende Türken eine Mindestanlage von 2000 Mark in bar einzahlen und erhalten dafür einen Kreditbrief. Nach den Ermittlungen soll das Finanzinstitut, das selber keine Bankgeschäfte tätigen, aber Anleihen emittieren darf, für diese bis zu 13 Prozent Zinsen bezahlen. Diese Erträge seien, so der Verdacht, möglicherweise nicht versteuert worden. TCMB-Anwalt Abdurrahman Ülger bestreitet die Höhe der gezahlten Zinsen und wollte im übrigen keine "inhaltliche Stellungnahme" gegenüber dem SPIEGEL abgeben.
Nach den Recherchen der Staatsanwaltschaft sollen über das Transferkonto zwischen 2,5 und fünf Milliarden Mark geflossen sein. Der Sprecher der Dresdner Bank, Stefan Lutz: Gegen uns richtet sich das Verfahren nicht. Wir machen nur den Geldtransfer, nicht die Kontenverwaltung.
Bei der Höhe der Zinsen sind dem Fiskus womöglich dreistellige Millionenbeträge entgangen. Die türkischen Geldgeber sollen den Finanzbehörden nun darlegen, woher ihr Kapital stammt. Die Chancen für die Fahnder stehen gut: Jeder Anleger musste der Bank seine Passnummer hinterlegen. "Allerdings", so ein Ermittler, "wird auch der eine oder andere Strohmann dabei sein".