Frankreichs Außenminister Védrine widerspricht Joschka Fischer
Auf höfliche, aber bestimmte Art hat Frankreichs Außenminister Hubert Védrine zu Beginn der Pariser EU-Ratspräsidentschaft den Europa-Visionen seines deutschen Kollegen und Freundes Joschka Fischer widersprochen. In einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL erteilt er eine Absage an jede Form bundesstaatlicher Einheit des Kontinents: Europas Realität bestehe, so Védrine, aus "der Existenz alter Nationen, die eine sehr starke Eigenart bewahrt haben." Hinter Fischers Forderung nach einem gewählten Präsidenten stecke "eine etwas obsessive Bezugnahme auf die Vereinigten Staaten." Darüber hinaus sprach sich Védrine dafür aus, geographische und politische Grenzen für Europa zu ziehen: "Russland zum Beispiel ist nicht dazu berufen, irgendwann zur Europäischen Union zu gehören." Auch eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik könne, so Védrine, niemals die nationale Außenpolitik ersetzen: "Wir würden dabei ungeheuer viel verlieren, und Europa würde nichts gewinnen."