Auch nach dem Stiftungsgesetz gibt es weitere Forderungen
Eine Woche, nachdem die Vereinbarung über den Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft zur Regelung der Zwangsarbeiter-Entschädigung abgeschlossen wurde, zeichnen sich erste Probleme ab. Obgleich die Vereinbarung vorsieht, dass alle anhängigen Verfahren in Sachen Entschädigung zurückgezogen werden, kündigen einige der Opfer bereits neue Ansprüche an. Das meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der kommenden Ausgabe. Damit wäre genau die Rechtssicherheit in Gefahr, die die deutschen Wirtschaftsunternehmen und Banken als Preis für ihre Zahlungswilligkeit verlangt hatten.
Die Nachfahren der deutsch-jüdischen Familie Loewendahl hatten in den USA Klage gegen die Deutsche und die Dresdner Bank eingereicht, die sich laut Anklage "an der Plünderung der Vermögen der Vorfahren" im Zuge der Arisierung beteiligt hatten. Dabei geht es vor allem um das Aktiendepot der Schwestern Paula und Frieda Loewendahl. Die deutsche Anwältin der Kläger, Anne Glinka, entdeckte im Landesarchiv Merseburg sechzig Jahre alte Aktenunterlagen der Deutschen Bank, die auf die Rolle der Bank im Dritten Reich ein neues Licht werfen.
Nach Einschätzung des Historikers Christopher Kopper belegen die Funde, dass "sich die Zentrale der Deutschen Bank mit einer größeren Intensität um die Aquisition von Arisierungsgeschäften bemüht hatte, als dies Historiker bislang angenommen hatten." Außerdem entdeckte die Anwältin Depotauszüge, nach denen das Vermögen der Schwestern Loewendahl heute über eine Million Mark wert sein dürfte.
Für die Anwältin Glinka von der Kanzlei Lewens & Co. ist mit den Funden in Merse-burg der Abschluss der Stiftungsinitiative nebensächlich geworden: "Jetzt geht es erst richtig los." (DER SPIEGEL 30/00, Seite 50)