SPIEGEL: ZDF kooperiert bei der Ratgebersendung "Gesundheit" eng mit der Pharmaindustrie - DER SPIEGEL
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SPIEGEL ZDF kooperiert bei der Ratgebersendung "Gesundheit" eng mit der Pharmaindustrie

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei der ZDF-Ratgebersendung "Gesundheit" kooperiert der öffentlich-rechtliche Sender eng mit Pharmaherstellern und empfiehlt auch wissenschaftlich umstrittene Heilmethoden und Produkte. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, profitierte der Sender auf Umwegen von Zahlungen der Hersteller. Aus einer internen Liste des ZDF geht hervor, dass Pharmafirmen als "Kooperationspartner" zu einzelnen Sendungen geführt wurden. In der Spalte "Kooperationssumme brutto" wurden Geldbeträge dazu vermerkt. Firmen, die etwa Asthmamittel herstellen, wurden als "Kooperationspartner" zu dem Thema eingeplant. Hersteller von Hormonpräparaten unterstützten eine Sendung zu den Wechseljahren. Mehrere zehntausend Mark zahlen Unternehmen, die sich für ihre Produkte oder Heilmethoden von der Sendung etwas versprechen.

Mittler zwischen dem Sender und den Firmen war die Förderungsgesellschaft des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK), letzteres eine gemeinnützige Organisation zur Gesundheitsaufklärung. Das DGK kooperierte auch redaktionell mit dem ZDF: Es schlug etwa Themen vor oder vermittelte Experten für Auftritte in der "Gesundheit" - auch solche, die Pharmaunternehmen empfoh-len hatten.

Von solchen Sendungen erwarben die Firmen dann sogenannte nichtkommerzielle Zweitverwertungsrechte an den Filmen - etwa zur Schulung von Mitarbeitern. Der Verkauf dieser Rechte sei "ein normaler Vorgang im Rahmen der Zweitverwertung von Sendungen", so eine ZDF-Stellungnahme. Manchmal zahlten die Firmen dem Grünen Kreuz auch sogenannte Druckkostenzuschüsse für Broschüren zu den Sendungen, die die Organisation verschickte.

Das ZDF und die Firmen betonen, der redaktionelle Inhalt der Sendungen sei nie beeinflusst worden. Doch daran gibt es laut SPIEGEL Zweifel. Die Firma Mucos etwa, Hersteller von umstrittenen Enzymkombinationspräparaten, war laut ZDF-Liste "Kooperationspartner" während einer "Enzymwoche" und hatte das Thema vorgeschlagen. Als "Kooperationssumme" waren 120.000 Mark eingetragen. Mucos bestreitet, gezahlt zu haben. Die Experten in den Sendungen priesen Enzyme als wirksame Begleittherapie etwa bei Gefäßkrankheiten oder Nierenleiden.

Die Wirksamkeit der Enzyme ist wissenschaftlich aber nicht erwiesen. Das Mucos-Parade-Mittel "Wobenzym" steht sogar auf der Negativliste der gesetzlichen Kassen. Im Internet-Archiv der ZDF-Sendung werden Enzyme gleichwohl zur Krebstherapie hochgelobt. Das "grenzt an Sensationsmacherei", so Krebsexperte Professor Horst Jung, Direktor des Instituts für Strahlenphysik und Strahlenbiologie an der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf. Es sei "unverantwortlich, diese Behandlung als Krebstherapie zu empfehlen", sagt Professor Peter Drings, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft.

Zweifel an den Methoden des DGK weckt auch die Aussage von Jürgen Hopf, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Brillenhersteller Rodenstock. Er erinnert sich laut SPIEGEL an den Anruf des DGK-Vorstands Hans von Stackelberg, der "fragte, ob ich in einer Sendung von ,Gesundheit' zum Thema ,Die Leichtigkeit des Sehens' Neuigkeiten von Rodenstock präsentieren wolle." Als Gegenleistung sollten 30000 Mark fließen. Hopf lehnte ab. Hopf laut SPIEGEL: "Ich hätte nicht gedacht, dass man sich bei den Öffentlich-Rechtlichen einkaufen kann. Das ist Betrug am Zuschauer." Das ZDF teilte auf SPIEGEL-Anfrage mit, von Stackelberg sei nicht im Auftrag des Senders tätig geworden.

Die Firma Sebapharma, Hersteller des Waschmittels "Sebamed", laut ZDF-Liste als "Kooperationspartner" mit 18.000 Mark geführt, profitierte von einer Gesundheit-Sendung, in der dreimal empfohlen wurde, sich mit hautfreundlichen Mitteln zu waschen. Die Sebamed-Flasche war kurz im Bild zu sehen.