SPIEGEL Staatsanwalt ermittelt gegen ehemaligen Holzmann-Aufsichtsrats-Chef
Die Affäre um die Beinahe-Pleite der Philipp Holzmann AG weitet sich immer weiter aus. Inzwischen ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt gegen den ehemaligen Aufsichtsrats-Chef der Philipp Holzmann AG, den Deutsche-Bank-Vorstand Carl von Boehm-Bezing, unter anderem wegen schweren Betruges zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland.
Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, ist Hintergrund der Ermittlungen ein Schriftsatz sowie eine Strafanzeige des Wirtschaftsstrafrechtlers Bernd Schneider, der in dem Holzmann-Verfahren den ehemaligen Vorstands-Chef Lothar Mayer vertritt. Schneider wirft von Boehm-Bezing darin vor, die angeblich von Altvorständen vertuschten und nun plötzlich aufgetauchten Altverluste in Höhe von 2,4 Milliarden Mark auch nach der Rettung des Konzernes nicht plausibel nachgewiesen zu haben. Deshalb hätte er sie bei den Verhandlungen mit Kanzler Schröder über den Rettungsbeitrag der Banken nicht zur Geschäftsgrundlage machen dürfen.
Kanzler Schröder habe die Bundeshilfe zur Rettung des angeschlagenen Unternehmens zwar gutgläubig, aber auf Grund einer falschen Darstellung gegeben. "Wahre Umstände, wie eigene operative Neuverluste und andere Managementfehler der Antragsteller, die deren Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit in Frage stellen, wurden verschwiegen", heißt es in dem Schreiben Schneiders, das dem SPIEGEL vorliegt. Die ohnehin umstrittene Sanierungsfähigkeit des Konzern hätte sich deshalb in einem ganz anderen Licht dargestellt.
Nach Informationen des Magazins haben die Ermittler von Boehm-Bezing bereits seit einigen Wochen im Visier. Bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Konzernes Ende Juli wurden sie erneut hellhörig. In deren Folge bezeichneten die Wirtschaftsprüfer der KPMG die Altlastenlegende als widerlegt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Zusammenhang auch gegen den ehemaligen Holzmann-Chef Heinrich Binder und gegen den Holzmann-Anwalt Heinz-Günter Gondert. Beide wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Die Deutsche Bank sagte, von Boehm-Bezing, der auch der Untreue verdächtigt wird, habe sich nichts vorzuwerfen.