Norwegischer Admiral vermutet Gasexplosion auf der "Kursk"
Eine "gewaltige Gasexplosion" hat am 12. August den Rumpf des Atom-U-Bootes "Kursk" zerrissen und dadurch eines der modernsten und größten Unterwasserschiffe der russischen Flotte versenkt. Diese Vermutung äußert in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL Vizeadmiral Einar Skorgen, der Befehlshaber von Norwegens Nordstreitkräften und Leiter der Rettungsoperation seines Landes für die eingeschlossenen U-Boot-Fahrer.
Die beiden knallartigen Geräusche, die von westlichen Sonargeräten und Seismographen aufgezeichnet wurden, seien eindeutig als "Explosionen" analysiert worden, sagte Skorgen dem SPIEGEL. "Nur für den internen Dienstgebrauch" habe Russlands Verteidigungsminister Sergejew die "nicht ernst zu nehmende" Behauptung in die Welt gesetzt, das russische Atom-U-Boot "Kursk" sei nach der Kollision mit einem anderen Schiff in der Barentssee gesunken.
Während die Ursache der ersten, leichteren Detonation unbekannt sei, schließt Skorgen bei der "gewaltigen" zweiten Explosion auf die Zündung eines brisanten Gemisches aus Sauerstoff und Wasserstoff. Beide Gase würden in großer Menge auf russi-schen U-Booten mitgeführt. Wegen der extremen Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit am Wrack hätten seine Taucher allerdings keine näheren Aufschlüsse über den Verlauf der Katastrophe gewinnen können.
Jede Bewegung der Männer, die nur am hinteren Drittel der über 150 Meter langen "Kursk" arbeiten durften, sei scharf überwacht worden. Geheimniskrämerei und "atemberaubende Inkompetenz", so der Admiral zum SPIEGEL, hätten die Arbeitsmöglichkeiten der norwegischen Retter erheblich beeinträchtigt. Den russischen Experten vor Ort habe oft jede Detailkenntnis gefehlt. "Die hatten keinerlei Ahnung, was sie tun mußten", rügte der norwegische Offizier.