DER SPIEGEL Streit zwischen Gauck und Diestel eskaliert
Der Streit zwischen dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, und dem letzten DDR-Innenminister, Peter-Michael Diestel, spitzt sich zu. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neun Ausgabe. Diestel nennt den Rostocker Pfarrer einen "Begünstigten" der Stasi - einen Vorwurf gegen den sich Gauck gerichtlich zur Wehr setzt.
Beim Rostocker Landgericht reichte Diestels Anwalt jetzt acht Eidesstattliche Versicherungen ein, mit denen die Komplizenschaft Gaucks mit der Stasi nachgewiesen werden soll. Das Gericht muss darüber entscheiden, ob Diestel den Behördenchef als "Begünstigten im Sinne des Stasi-Unterlagen-Gesetzes" bezeichnen darf. Unter den von Diestel aufgebotenen Zeugen befinden sich fünf Stasi-Offiziere und der frühere Stasi-Spitzel und Ex-Anwalt Wolfgang Schnur. Ihren Angaben zufolge habe die Stasi in den achtziger Jahren dafür gesorgt, dass Gaucks Söhne in den Westen ausreisen und später zu einem Verwandtenbesuch wieder einreisen durften - eine eindeutige "Begünstigung", wie Ex-Stasi-Spitzel Schnur schreibt.
Gauck wehrt sich gegen die neuen Vorwürfe: "Wieso bin ich begünstigt, wenn meine Söhne ausreisen dürfen? Ich war doch dagegen, dass sie gehen." Auch Gaucks Söhne weisen die Darstellung zurück. Sie hätten über drei Jahre auf ihre Ausreise gewartet. Der Behördenchef hat unterdessen seine Opfer-Akte zur Veröffentlichung freigegeben. Danach erwog die Stasi 1985 die Inhaftierung des Rostocker Pfarrers.