DER SPIEGEL Bundesregierung befürchtet neue Gewalt auf dem Balkan
Die Bundesregierung sieht den Balkan erneut auf dem Weg in einen bewaffneten Konflikt. Auf einem geheimen Krisentreffen am vergangenen Mittwoch im Kanzleramt - so berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe - berieten Kanzlerberater und Staatssekretäre aus dem Auswärtigen Amt und dem Verteidigungsministerium Maßnahmen, um einen Ausbruch von Gewalt als Folge der Wahlen in Rest-Jugoslawien am 24. September zu verhindern. Nach verlässlichen Umfragen liegt zur Zeit der Kandidat der Demokratischen Opposition, Vojislav Kostunica, weit vor dem Präsidenten Slobodan Milosevic. Der wird jedoch nach westlicher Einschätzung eine Wahlniederlage nicht akzeptieren.
Er könnte die Wahl verschieben, durch massive Manipulationen das Ergebnis verfälschen oder einen nationalen Notstand ausrufen. Das jedoch werden weder serbische Oppositionelle noch der Präsident des Bundeslandes Montenegro, Milo Djukanovic, hinnehmen, der zum Wahlboykott aufgerufen hat. Im schlimmsten Fall droht die militärische Konfrontation zwischen der jugoslawischen Armee Milosevics und montenegrinischen Polizeikräften.
Da die Nato eine Militärintervention diesmal scheut, will der Westen Montenegro massiv finanziell fördern. Schon jetzt hat die Bundesregierung einen 40-Millionen-Mark-Kredit zur Stabilisierung der Djukanovic-Regierung beschlossen, mit dem die Infrastruktur ausgebaut werden soll. Das Auswärtige Amt fordert nun zusätzliche 100 Millionen Mark, die den Montenegrinern als sichtbares Zeichen der Unterstützung des Westens für ihre derzeitige Regierung zukommen soll.