Für Jahrzehnte Erdöl und Erdgas aus Russland - DER SPIEGEL
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Für Jahrzehnte Erdöl und Erdgas aus Russland

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Russland will die Energieversorgung der Europäischen Union auf mehrere Jahrzehnte hinaus sichern. Das vereinbarten nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin in Moskau. Schröder überbrachte den Vorschlag von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, einen 20-Jahres-Vertrag über die Lieferung großer Mengen an Erdöl und Erdgas abzuschließen. Die erforderliche Ausrüstung soll von EU-Staaten geliefert werden, vor allem von deutschen Unternehmen. Prodi hatte Schröder seine Idee in Hannover unterbreitet. Schon jetzt ist Russland der größte Energielieferant Deutschlands. Im ersten Halbjahr 2000 kamen 14,77 Millionen Tonnen Erdöl von dort. Allerdings stagnierte die Ölproduktion in den vergangenen Jahren wegen verrotteter Anlagen und undichter Pipelines. Teile des geförderten Erdöls versickern im Boden.

Mit seiner Kurzvisite unterstrich Schröder die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Der Kanzler hatte sich zuvor bei den EU-Kollegen und US-Präsident Bill Clinton abgesichert: Alle zeigten sich mit der deutschen Vorreiterrolle einverstanden. Schröder, der von einer langen Amtszeit Putins ausgeht, handelt dabei nach eigenem Bekunden nur im Rahmen von EU und Nato. Zur Lage auf dem Balkan brachte der Kanzler die Botschaft mit, Putin stehe gegen Jugoslawiens Präsident Milosevic auf der Seite des Westens. Die Russen setzen offenbar schon länger nicht mehr auf den jugoslawischen Diktator: Westliche Diplomaten bestätigten, dass Milosevic bei den Verhandlungen über eine Beendigung des Kosovo-Kriegs 1999 die Russen gefragt hat, ob er bei ihnen unterschlüpfen könne. Moskau habe damals abgelehnt. (DER SPIEGEL 40/00, Panorama Deutschland)