Nandrolon in Kraftdrinks - DER SPIEGEL
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Nandrolon in Kraftdrinks

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Biochemiker Wilhelm Schänzer hat in wissenschaftlichen Testreihen an der Kölner Sporthochschule nachgewiesen, dass Nahrungsergänzungsstoffe illegal und undeklariert mit Dopingmitteln verseucht sind. Der Leiter des Kölner Dopinglabors hat deshalb Freizeit- und Leistungssportler vor dem Verzehr von Kraftdrinks und -pulvern gewarnt, mit denen der "Markt derzeit regelrecht überschwemmt wird", schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der kommenden Ausgabe.

Anlass für die Studien war der starke Anstieg von Dopingfällen mit Nor-Androstendion (Nandrolon) im vergangenen Jahr. 1999 registrierte das Internationale Olympische Komitee allein 350 Nandrolon-Fälle - darunter waren so prominente Athleten wie Sprint-Olympiasieger Linford Christie oder die ehemalige 200-Meter-Weltmeisterin Merlene Ottey. Zuletzt wurde bei der Probe eines Fußballers von Tennis Borussia Berlin Nandrolon gefunden. Schänzer ließ Probanden gängige Ergänzungsstoffe mit Carnitin oder den Pflanzenextrakten Guarana und Tribulus Terrestris einnehmen und fand anschließend im Urin Spuren von Nandrolon. Der Forscher vermutet Verunreinigungen bei der Produktion der Kraftmittel.

Auch der Kugelstoß-Weltmeister C. J. Hunter, Ehemann der Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones, der im Sommer mit überhöhtem Nandrolongehalt im Urin erwischt wurde, hatte die Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen geltend gemacht. "Er könne nicht mehr ausschließen", sagt Schänzer, dass Hunter damit Recht hat. Nur: Bei Hunter war zusätzlich auch der Testosteron-Spiegel zu hoch. (DER SPIEGEL 40/00, Panorama Deutschland)