Thüringer Landesregierung wickelte zweifelhafte Finanztransaktionen über Schweizer Briefkastenfirma ab
Die Thüringer Landesregierung hat mit dubiosen Methoden Pleitefirmen mit Steuermillionen gestützt und sich dabei einer Briefkastenfirma im schweizerischen Zug bedient. 1997, im Jahr vor der Bundestagswahl, so berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, stand der Traditionsbetrieb Suhler Fahrzeugwerke, Hersteller der Simson-Mopeds vor dem Aus. Plötzlich tauchte ein Retter auf: Die Mönchengladbacher Beteiligungsgesellschaft "Zius" übernahm 51 Prozent der Suhler Firma. Den Rest übernahm die landeseigene Thüringer Industriebeteiligungsgesellschaft (TIB). Der neue Mehrheitseigner "Zius", in der Branche unbekannt, gab sich geheimniskrämerisch. Sonst wäre aufgefallen, dass der Geschäftsführer des Ein-Mann-Unternehmens ein ehemaliger Berater des TIB-Chefs war. Laut Handelsregister gehörte die "Zius" der Schweizer Briefkastenfirma "Trurl AG", die, so DER SPIEGEL, erst wenige Wochen vor ihrer Tochterfirma gegründet worden war. Eine höhere TIB-Beteiligung hätten deren Statuten nicht zugelassen. Die 510.000 Mark, die Zius in die neue Simson Zweirad GmbH einbrachte, trafen laut SPIEGEL ohne Absenderangabe auf dem Simson-Konto ein. Genau diesen Betrag überwies zur gleichen Zeit die landeseigene Thüringer Aufbaubank an die Schweizer Trurl AG.
TIB-Geschäftsführer Gerhard Hoffmann-Becking, vom SPIEGEL konfrontiert, bestätigt den Deal. Die TIB habe "aus optischen Gründen nicht sämtliche Gesellschafteranteile halten" wollen. Der Zius-Geschäftsführer habe eine "Statthalterfunktion" gehabt. Die EU-Wettbewerbs-Kommission prüft derzeit, ob die Simson-Werke zu Unrecht mit mehreren Landes-Millionen gefördert wurden. Die Regierung unter Christdemokrat Bernhard Vogel ist seit Monaten unter Druck, weil sie das konkursreife CD-Werk Pilz in Suhl mit Millionenbeträgen gestützt hatte und die EU nun die Rückzahlung der Gelder verlangt. (DER SPIEGEL 43/00, Seite 32)