Späte Genugtuung für Ex-DDR-Bürgerrechtler Ralf Hirsch
Ralf Hirsch ist der erste Ex-DDR-Bürgerrechtler, der seine Akte beim Berliner Verfassungsschutz einsehen konnte, meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Aus 140 Seiten erfuhr er die Hintergründe der unberechtigten Vorwürfe von "Bild am Sonntag", die unter der Schlagzeile "Stasi-Agent bei Momper?" 1990 verbreitet hatte, er sei IM gewesen. Hirsch hatte sich erfolgreich dagegen gewehrt und in einer außergerichtlichen Einigung mit 50.000 Mark eines der höchsten Schmerzensgelder der bundesdeutschen Pressegeschichte erhalten. Den Akten entnahm Hirsch jetzt, dass der Informant des Springer-Konzerns ein Kraftfahrer des MfS war. Nach Veröffentlichung der Behauptung habe "Bild am Sonntag" hektisch recherchiert. Nachdem die Journalisten erfolglos waren, beauftragten sie laut Akten sogar eine Detektei. Im Hause Springer kann man sich daran allerdings nicht erinnern. Im Übrigen sei es "nicht Stil des Hauses", Detekteien zu beschäftigen. Hirsch war von der VS-Einsicht ansonsten angetan: Im Gegensatz zur Gauck-Behörde habe man ihm sogar Kaffee zu den Akten serviert. (DER SPIEGEL 43/00, Personalien)