Barroso will die Seiten wechseln
José Manuel Barroso, 57, bis zum Herbst 2014 Chef der EU-Kommission, sieht sich wohl noch nicht am Ende seiner Karriere. Offenbar hätte der Portugiese gern einen anderen Brüsseler Spitzenposten. Nach SPIEGEL-Informationen kann sich Barroso vorstellen, von der Zentrale der EU-Kommission auf der nördlichen Seite der Brüsseler Rue de la Loi ins Gebäude des Europäischen Rats auf der Südseite zu wechseln und dort Präsident des Europäischen Rats zu werden, der Versammlung der 28 Staats- und Regierungschefs. Diplomaten berichten, Barroso sondiere derzeit bei den Mitgliedstaaten, ob er Chancen hätte, den jetzigen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy zu beerben. Der Posten wird Ende 2014 frei, weil Van Rompuy nach zwei Amtszeiten ausscheiden muss. Da vieles dafür spricht, dass ein Sozialdemokrat - der Deutsche Martin Schulz - nächster Präsident der EU-Kommission wird, könnte das Amt des Ratspräsidenten aus Proporzgründen der konservativen Europäischen Volkspartei zufallen. Allerdings ist Barroso nicht der einzige Christdemokrat, der den Job gern hätte: Auch der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker würde wohl nicht ablehnen, sollte er gefragt werden. Bekommt Barroso den Posten des Ratspräsidenten nicht, könnte er sich auch vorstellen, Generalsekretär der Nato zu werden. Barrosos Sprecherin dementierte die Ambitionen ihres Chefs nicht: Barroso habe noch "keine Entscheidungen über seine Zukunft getroffen".