CDU-Wirtschaftsrat droht Millionenklage
Der Wirtschaftsrat der CDU gerät wegen Ungereimtheiten bei seiner Mitgliederwerbung unter Druck. Ein ehemaliger Dienstleister hat den CDU-nahen Verein auf Zahlung von mehreren hunderttausend Euro verklagt. Die Forderung könnte sich nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL auf über eine Million Euro erhöhen. Im Juni 2012 hatte der Wirtschaftsrat dem Unternehmen, der WR Marketing, gekündigt. Zuvor hatte das Unternehmen für den Wirtschaftsrat über Jahre weite Teile der Mitgliederwerbung übernommen. Bis zu drei Viertel aller neuen Mitglieder gingen auf die Aktivitäten der WR Marketing zurück. Allerdings kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten. So verließen viele Neumitglieder den Wirtschaftsrat schon bald wieder.
Wie aus einem internen Protokoll hervorgeht, klagte die Vertriebschefin des Wirtschaftsrats bereits im Mai 2006 darüber, dass "die durch die WR Marketing GmbH gewonnenen Mitglieder die niedrigste Verweildauer aufweisen". Erst als das Unternehmen auch für einen mit dem Wirtschaftsrat konkurrierenden Verband tätig wurde, kündigte der CDUnahe Verein die Zusammenarbeit. Für den Wirtschaftsrat ist diese Lage prekär, denn der Verein finanziert sich weit gehend über seine rund 11.000 Mitglieder, die laut einer internen Aufstellung bis zu 25.000 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr bezahlen. Laut einer Unterlage wurden in diesem Jahr allein bis zum 15. September Mitgliedsbeiträge in Höhe von über einer Million Euro gekündigt. Wirtschaftsrat und WR Marketing bestätigten den Rechtsstreit auf Anfrage des SPIEGEL, wollten zu Details allerdings keine Stellung nehmen.