Deutsche Bank will Vermögensverwaltung behalten - DER SPIEGEL
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Deutsche Bank will Vermögensverwaltung behalten

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deutsche-Bank-Chef John Cryan zieht trotz des dramatischen Kursverfalls der Aktie eine positive Bilanz seines ersten Jahres als Konzernchef. "Wir haben an vielen Stellen mehr erreicht, als ich erhofft hatte", sagte Cryan dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Er sehe die Deutsche Bank auch nicht als Übernahmekandidat. Einem Verkauf der Vermögensverwaltung, über die am Markt zuletzt spekuliert worden war, erteilte Cryan eine Absage. "Ein Verkauf hätte nur einen einmaligen Effekt. Wertvoller sind für uns die dauerhaften Einnahmen daraus." Er räumte indirekt ein, dass der Verkauf der Postbank für die Bank schmerzhaft ist, weil es im Privatkundengeschäft auf kritische Größe ankomme. "Wenn wir also die Postbank verkaufen, weil uns das regulatorische Umfeld keine andere Wahl lässt, bleibt uns nur ein Weg: durch hervorragende Beratung und ein sehr gutes digitales Angebot zu wachsen." Wachsen wolle die Deutsche Bank auch im Geschäft mit großen amerikanischen Unternehmenskunden. "Da haben wir sehr gute Beziehungen, die wir ausbauen möchten." Im Handel in den Finanzzentren New York und auch London mache die Bank hingegen "so manches, was mit diesen Kunden und auch mit unserem Geschäft in Europa nichts zu tun hat. Das fahren wir zurück".

Cryan sieht sein Institut nicht als Verlierer eines britischen EU-Austritts. Der Hedgefondsmanager George Soros, der anlässlich des Referendums der Briten auf einen Kursverfall der Deutschen Bank gewettet hatte, habe Unrecht, wenn er das so sehe. "So bedauerlich das Ereignis und der Kursverfall sind, so gut standen wir am vergangenen Freitag und zu Wochenbeginn als Bank da", sagte Cryan. "Allein im Währungshandel haben wir das Achtfache des üblichen Volumens abgewickelt." Allerdings stehe derzeit wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Finanzplatzes London die Finanzbranche insgesamt im Fokus.