EADS soll in saudischer Schmiergeldaffäre Warnungen jahrelang ignoriert haben
Der europäische Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS soll jahrelang Warnhinweise eines Mitarbeiters auf mutmaßliche Schmiergeldzahlungen bei einem Milliardenprojekt in Saudi-Arabien ignoriert haben. Das geht aus E-Mails hervor, die dieser Mitarbeiter, ein Finanz-Controller, an die Antikorruptionsabteilung in der Pariser Konzernzentrale und an Vorgesetzte geschickt hat. Darin hatte der Tippgeber laut Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL den Blick auf fragwürdige Zahlungen an zwei Firmen auf den Cayman-Inseln über mehr als 14 Millionen Euro gelenkt, außerdem auf Autos, die saudischen Generälen geschenkt wurden. Nachdem er in einer Mail im Herbst 2010 EADS-Compliance-Chef Petro Montoya detailliert über seine Beobachtungen informiert hatte, schrieb er an einen Vertrauten: "Montoya ignoriert mich." Und kurze Zeit später: "Diese Leute an der Spitze sind wirklich gut darin, Informationen von sich fernzuhalten. Wenn dann etwas schiefgeht, geben sie einem weiter unten die Schuld." Weiter heißt es in dem Schreiben: "Deshalb schicke ich so viele Mails mit so vielen Zitaten und angehängten Dokumenten … So können Sie nicht bestreiten, dass sie alles über die Zahlungen auf die Caymans und die geschenkten Autos wussten." Inzwischen ermittelt die englische Antikorruptionsbehörde in dem Fall. EADS will sich nicht konkret äußern, sieht aber kein Versagen der eigenen Compliance-Abteilung.