Energydrink-Verbot für Minderjährige?
Sophie Herr, 31, leitet das Team Lebensmittel vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
SPIEGEL: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft derzeit das Gesundheitsrisiko von sogenannten Energydrinks. Was macht sie besonders für Kinder so gefährlich?
Herr: Das Problem ist die gigantische Koffeinkonzentration, die Herz und Kreislauf angreift. Ein Liter enthält etwa so viel Koffein wie vier Tassen starker Kaffee. Den trinken Kinder meist nicht, weil er zu bitter ist. Energydrinks aber sind ja süß.
SPIEGEL: Was wissen Sie über den Konsum der Kinder?
Herr: Laut der EFSA trinken selbst unter Zehnjährige regelmäßig Energydrinks. Rund zwölf Prozent aller Jugendlichen zählen sogar zu den "stark chronischen" Konsumenten. Das heißt, sie nehmen im Monat durchschnittlich sieben Liter zu sich. Das ist mehr als besorgniserregend.
SPIEGEL: Seit Dezember müssen derartige Produkte mit einem Hinweis gekennzeichnet werden, dass sie unter anderem für Kinder nicht geeignet sind.
Herr: Weltweit sind bereits mehrere Teenager nach dem Konsum von Energydrinks gestorben. Ein Warnhinweis reicht da nicht aus. Getränke mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter dürfen nicht an Minderjährige verkauft werden. Die Bundesregierung sollte sich ein Beispiel an Litauen nehmen: Dort sind die Drinks inzwischen für Minderjährige verboten.