Ex-Burgtheater-Chef Hartmann: "Die Wahrheitmuss ans Licht"
In seinem ersten ausführlichen Interview nach seiner fristlosen Kündigung als Direktor des Wiener Burgtheaters rechnet Matthias Hartmann in der neuen Ausgabe des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL mit dem Schattensystem und den Verantwortlichen für das bedeutendste deutschsprachige Sprechtheater ab.
Hartmann war im März wegen Misswirtschaft entlassen worden, weil die Bilanz seines Theaters einen Verlust von 8,3 Millionen Euro auswies. Hinzu kommen Steuerschulden von 5 Millionen Euro. Außerdem war bekanntgeworden, dass es im Burgtheater lang - jährige Praxis gewesen war, Gagen und Honorare in bar auszuzahlen beziehungsweise für Künstler in Verwahrung zu nehmen. Davon ist auch Hartmann mit Regie- und Vorbereitungshonoraren betroffen.
Hartmann, der sein Amt 2009 angetreten hatte, klagt nach der fristlosen Kündigung inzwischen auf eine Abfindung von rund zwei Millionen Euro.
Im SPIEGEL räumt der Ex-Intendant und Regisseur zwar Fehler ein, beharrt aber darauf, nicht die Alleinschuld an der Misere zu tragen: "Ich bin verantwortlich, aber ich bin kein Buchhalter. Ich übernehme Verantwortung für die Reputation der Burg, für die Ergebnisse aus der Spielzeit, aber nicht für Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe - auf die interne Revision durch die Holding, auf die Aufsichtsräte und die Wirtschaftsprüfer, die auch nicht gesehen haben, was da los war."
Besonders hart kritisiert Hartmann Georg Springer, den Vorsitzenden der Holding der österreichischen Bundestheater, der auch das Burgtheater untersteht: "Nehmen wir mal an, Springer hätte von der ganzen Sache in dieser Form nichts gewusst", so Hartmann, dann hätte Springer davon ausgehen können, dass er, Hartmann, ebenfalls nichts hätte wissen können. Springer hätte ihn also "in Schutz" nehmen müssen. Hätte Springer jedoch von den Missständen an der Burg gewusst, "dann trifft ihn die doppelte Schuld". Dann hätte Springer den Intendanten Hartmann durch die Kündigung "als Bauernopfer" preisgegeben, um "von sich und seinem Wissen abzulenken". Jetzt, so fordert Hartmann, "muss die Wahrheit ans Licht".
Wichtiger als eine Abfindung sei ihm jetzt seine "Rehabilitation". Er würde den Preis dafür zahlen und danach "Taxi fahren". Auf den Vorwurf, hochmütig aufgetreten zu sein, rechtfertigt sich Hartmann: "Ohne Hybris keine Kunst."