Firmen ignorieren Frauenquote
Deutsche Unternehmen tun wenig, um den Frauenanteil in ihren Firmen zu erhöhen. Auf eine Anfrage des SPIEGEL bei rund zwei Dutzend Firmen mit über 500 Beschäftigten meldete sich nur rund ein Viertel zurück. Von den wenigen, die sich äußerten, gaben manche an, sie seien von der Neuregelung gar nicht betroffen. Andere versicherten, sie hätten sehr wohl Zielvorgaben beschlossen, Genaueres wolle man allerdings erst mit der Vorlage der Geschäftszahlen im Lauf des Jahres 2016 bekannt geben. "Viele haben noch nicht begriffen, dass sie unter das neue Gesetz fallen", sagte der Frankfurter Personalberater Heiner Thorborg dem SPIEGEL, "und dass ihnen Geldbußen von bis zu 50.000 Euro drohen, wenn sie keine Zielgrößen festlegen."
Die gesetzliche Frauenquote greift seit Anfang des Jahres. Börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen müssen demnach ihren Anteil im Aufsichtsrat sukzessive auf 30 Prozent erhöhen. Börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Firmen müssen verbindliche Zielgrößen für Aufsichtsräte, Vorstände und die oberen Managementebenen festlegen. Derzeit liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 102 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen bei 23,1 Prozent. Auf Arbeitnehmerseite liegt er mit 12,8 Prozent etwas vor dem der Anteilseignerseite (10,4 Prozent), 16,7 Prozent der Unternehmen haben auf der Kapitalseite nach wie vor keine einzige Frau sitzen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) erstellt hat.