Gefährliche Altlasten in RAG-Bergwerken - DER SPIEGEL
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Gefährliche Altlasten in RAG-Bergwerken

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der in den neunziger Jahren in großem Stil in RAG-Bergwerke verbrachte hochgiftige Sondermüll ist möglicherweise nicht sicher. Dies berichtet der SPIEGEL unter Berufung auf ein neuerstelltes Gutachten des Wasserexperten und ehemaligen Abteilungsleiters im NRW-Umweltministerium Harald Friedrich. Danach bestehen Zweifel daran, dass die in Tiefen von über 800 Metern eingebrachten Giftstoffe wirklich dicht abgeschlossen sind und tatsächlich nicht mit darüberliegenden Grundwasserschichten in Berührung kommen können. Das behaupten RAG und die zuständige Bergbehörde. Das Gutachten bezweifelt zudem, dass die Genehmigung, die Anfang der Neunziger zur Verbringung von mehr als 600.000 Tonnen Sondermüll in NRW-Zechen führte, "rechtskonform" war. Sie hätte, laut Gutachten, so nicht erteilt werden dürfen. Friedrich hat sein Gutachten im Auftrag besorgter Anwohner erstellt, die spätestens mit dem von der RAG nach Abschluss des Bergbaus geplanten Grubenwasseranstieg eine Belastung ihrer Felder und Gewässer befürchten. Schon jetzt wurden bei Proben auffällige Werte festgestellt. Allerdings ist offen, ob sie tatsächlich auf den Bergbau zurückzuführen sind. NRW-Umweltminister Johannes Remmel zeigte sich gegenüber dem SPIEGEL "tief besorgt", dass die Altlasten uns "jetzt wieder einholen könnten". Er will umgehend eine entsprechende Überprüfung einleiten. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Düsseldorf fordert eine neue wissenschaftliche Analyse der Müllverbringung in Kohlezechen. Da ticke "eine Zeitbombe", warnt deren Experte Dirk Jansen. Die RAG hatte in den neunziger Jahren – nach Unterlagen, die dem SPIEGEL vor liegen – mehr als 600.000 Tonnen zum Teil hochgiftige Filterstäube und Asche aus Müll- und Sondermüllverbrennungsanlagen in Tiefen von über 800 Metern verbracht. Der Sondermüll wurde als "Wertstoff" behandelt. Die Verbringung in die Zechen unterlag damit dem Bergrecht. Der Abfall wurde dort zur sogenannten Hohlraumverfüllung eingesetzt. Nach Angaben der RAG und der Bergaufsicht in NRW wurde dazu ein aufwendiges und wissenschaftlich begleitetes Spezialverfahren gewählt, das einen Austritt von giftigen Stoffen wie Dioxin oder Schwermetallen völlig sicher ausschließe. Das sei auch durch Proben belegt worden. Eine Gefahr für Wasser oder Umwelt bestehe weder jetzt noch nach einem möglichen Anstieg des Grubenwassers.