Heubner: Auschwitz-Überlebende bedauern Putin-Absage
Christoph Heubner, 65, Mitglied des Internationalen Auschwitz-Rates, über die Gedenkveranstaltung am 27. Januar.
SPIEGEL: Russlands Präsident Wladimir Putin will nicht an der Veranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz teilnehmen. Haben Sie ihn nicht eingeladen?
Heubner: Kein Staats- oder Regierungschef wurde eingeladen. Wir haben schon vor Monaten beschlossen, dass die Überlebenden im Mittelpunkt stehen sollen, nicht Politiker.
SPIEGEL: Warum kommt dann Bundespräsident Joachim Gauck?
Heubner: Das ist eine Entscheidung der deutschen Seite. Die Gedenkstätte Auschwitz, die wir beraten, hat auf unsere Empfehlung hin bei allen Botschaften in Warschau angefragt, ob das entsprechende Land teilnehmen möchte und wenn ja, auf welcher Ebene.
SPIEGEL: Nach Medienberichten spielte die polnische Regierung auch eine Rolle.
Heubner: Sie hat freundlicherweise die Anfragen an die Botschaften übermittelt, mehr nicht.
SPIEGEL: Was haben die Russen gesagt?
Heubner: Dass sie den Botschafter schicken - im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland, deren Präsidenten kommen. Putin hat keinen Grund, beleidigt zu sein.
SPIEGEL: Immerhin hat die Rote Armee Auschwitz befreit.
Heubner: Die Überlebenden bedauern es sehr, dass Putin nicht kommt. Allerdings kann nicht nur er für die Befreier sprechen. In der Roten Armee dienten auch ukrainische und weißrussische Soldaten.