Hungern für den Hungerlohn
Mit erpresserischen Methoden versucht der Besitzer der Tazreen-Textilfabrik in Bangladesch, der für den Tod von 112 Näherinnen bei einem Feuer vor eineinhalb Jahren verantwortlich gemacht wird, vorzeitig aus der erst vor Kurzem angetretenen Haft entlassen zu werden. Nach einem Bericht des Hamburger Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL zahlt sein Unternehmen Tuba Group, zu dem auch vier Textilfabriken gehören, seit drei Monaten keine Löhne mehr an die 1500 Näherinnen. Hossains Verwandtschaft habe durchblicken lassen, dass erst wieder gezahlt werde, wenn ihr Angehöriger freikomme. Die Situation der Näherinnen, die laut Angaben des Frauenrechtevereins Femnet auch für den deutschen Discounter Lidl produzieren, ist nach drei Monaten verzweifelt. Vergangene Woche traten viele in einen Hungerstreik, über hundert sind bereits nach wenigen Tagen erkrankt. Eine Lidl-Sprecherin sagte dem SPIEGEL, man verfolge die Situation aufmerksam. Bei der Tuba-Tochter, die die Firma beliefere, sei es zu keinen Unregelmäßigkeiten gekommen.