Hypo-Anklage kommt nach Ostern
Knapp sechs Jahre nach der Beinahe-Pleite der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) soll neben der zivilrechtlichen Aufarbeitung des Skandals auch die strafrechtliche Klärung beginnen. In den Wochen nach Ostern will die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen die gesamte frühere Führungsriege des Instituts erheben. Die Bank musste vom Steuerzahler mit Bürgschaften von weit über hundert Milliarden Euro und Kapitalspritzen von rund zehn Milliarden gerettet werden.
Viel zu befürchten haben der ehemalige HRE-Chef Georg Funke und seine sieben Ex-Kollegen allerdings nicht. Vom ursprünglichen Verdacht, wonach die Bankmanager Untreue begangen und geschönte Ad-hoc-Mitteilungen herausgegeben haben sollen, ist in der vorläufigen Anklageschrift nichts mehr übrig geblieben. Stattdessen werfen die Ermittler Funke & Co. nur noch vor, die Lage und Liquiditätsausstattung des Unternehmens zu zwei Terminen falsch dargestellt zu haben.
Das Delikt wird zumeist mit einer Geldstrafe oder maximal drei Jahren Haft geahndet. Funke und seine früheren Vorstandskollegen bestreiten jegliches Fehlverhalten. Ex-Finanzchef Markus Fell soll sich zusätzlich auch noch wegen Marktmanipulation vor Gericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll er den Zustand der HRE Ende September 2008 in einer Analystenkonferenz zu positiv geschildert haben. Fells Anwalt wollte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.