"Ich lebe gern. Verdammt noch mal" - DER SPIEGEL
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"Ich lebe gern. Verdammt noch mal"

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Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, 61, rechnet in einem SPIEGEL-Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ab. Er sei für sie "immer noch der Prototyp eines sozialistischen Funktionärs. Die Körpersprache, das Dominante". Herta Müller hat die erste Hälfte ihres Lebens im damals sozialistischen Rumänien verbracht. Den ehemaligen sozialistischen Ländern, insbesondere der Ukraine, fühle sie sich verbunden, Putins Annexion der Krim vor wenigen Monaten empfinde sie als "dreist und riskant". "Die Sowjetunion kehrt in Teilen zurück", sagt Müller. "Putin hebt eine Weltordnung aus den Angeln. Er boykottiert, er bekämpft die Demokratie - eine Sturheit ohne Ende." Müller erinnert sich in dem Gespräch an die Jahre in Rumänien, als die Diktatur in alle Lebensbereiche eindrang und den Alltag bestimmte. "Diese Sprache war so gemein und verlogen: ‚Das Glück des Volkes'. Niemand war glücklich."

Schon früh habe sie sich von ihren angepassten Eltern abgegrenzt. "Sie waren nicht loyal mit mir", sagt sie. "Ich habe auch gewusst, dass ich denen nichts erzählen darf. Weil ich nicht einschätzen konnte, was sie ausplaudern, wenn sie verhört werden." Am Montag dieser Woche erscheint im Hanser Verlag Herta Müllers neues autobiografisches Buch "Mein Vaterland war ein Apfelkern", in dem sie sich an ihre Kindheit, ihre Arbeit als Übersetzerin in einer Fabrik und die Verhöre durch den rumänischen Geheimdienst Securitate erinnert.

Im SPIEGEL-Gespräch sagt sie, dass es ihr Schwierigkeiten bereitet habe, sich für das Buch der eigenen Vergangenheit zu stellen. Das Schreiben sei für sie "Sog und Angst" zugleich. "Nach jedem Buch denke ich: nie wieder", offenbart sie. "Weil ich jedes Mal beim Schreiben Angst habe, dass ich es nicht aushalte. Und weil ich so besessen werde und nichts anderes mehr denken und machen kann."