Inhaftierter saudischer Blogger Badawi: "Auf wundersame Weise überlebt"
Erstmals seit seiner Inhaftierung im Jahr 2012 meldet sich nun der saudische Blogger Raif Badawi in einem Brief aus dem Gefängnis zu Wort, den das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe abdruckt. Darin schreibt er, dass er auf "wundersame Weise fünfzig Peitschenhiebe überlebt" habe, während er umringt gewesen sei "von einer jubelnden Menge, die immerzu Allahu akbar rief". Und weiter schreibt er: "All dies grausame Leid ist mir nur widerfahren, weil ich meine Meinung ausgedrückt habe."
Badawi hatte 2008 begonnen, auf seiner Website für die Idee einer säkularen, liberalen Gesellschaft in Saudi-Arabien einzutreten. Wegen Beleidigung des Islam wurde er zu einer Haft von zehn Jahren, einer Geldstrafe von umgerechnet knapp 250.000 Euro und zu 1000 Peitschenhieben verurteilt. Die ersten 50 dieser Peitschenhiebe wurden am 9. Januar dieses Jahres exekutiert. Wegen seiner derzeitigen körperlichen Verfassung wurde die weitere Ausführung der Strafe vorerst verschoben. "Es geht ihm schlecht", wird seine Ehefrau Ensaf Haidar vom SPIEGEL zitiert. "Er leidet unter Bluthochdruck, vor allem aber ist er psychisch stark belastet."
Badawis Brief wird in dem Buch "1000 Peitschenhiebe" veröffentlicht, das der Ullstein Verlag in der kommenden Woche in den Buchhandel bringt. Dort sind auch erstmals seine gelöschten Blogs auf Deutsch zu lesen. Das Außenministerium in Berlin hat vor einer Veröffentlichung gewarnt, Badawi und seine Frau aber glauben, dass die Aufmerksamkeit für das Buch ihn schützen werde. "Mein Mann sieht darin eine Fortsetzung seiner Arbeit", sagt Haidar dem SPIEGEL. "Er ist sich sicher, für die richtigen Überzeugungen zu kämpfen."
Möglicherweise wird es auch zu einem neuen Prozess kommen. Sie fürchte, so Haidar, dass ihr Ehemann wegen Abkehr vom Islam angeklagt werde. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe.