Morddrohungen gegen Edathy
Der untergetauchte SPD-Politiker Sebastian Edathy, gegen den die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts auf Besitz von kinderpornografischem Material ermittelt, hat nach eigenen Angaben bereits etliche Morddrohungen erhalten. Das sagte Edathy dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Die Morddrohungen seien telefonisch erfolgt. Er könne weder nach Hause noch nach Berlin zurückkehren, so Edathy zum SPIEGEL.
Gleichzeitig wies er Vorwürfe zurück, wonach er über den Inhalt eines vertraulichen Briefs der Staatsanwaltschaft an den Deutschen Bundestag vorab informiert gewesen sei. In dem Schreiben vom 6. Februar ging es um die Immunität Edathys als Abgeordneter und um das bevorstehende Ermittlungsverfahren gegen ihn. Noch am gleichen Tag hatte er vor einem Berliner Notar den Rücktritt von seinem Mandat erklärt. Das hatte für Spekulationen gesorgt, ein Informant könne Edathy gewarnt haben.
"Die Behauptung, ich hätte Kenntnis gehabt von dem Schreiben der Staatsanwaltschaft zur Aufhebung meiner Immunität und wäre deshalb schnell zum Notar gelaufen, ist evidenter Unfug", sagte Edathy nun dem SPIEGEL. Er verwies darauf, dass sein Notartermin schon anberaumt war, bevor die Staatsanwaltschaft den Brief verschickte. "Die zeitliche Nähe zum Brief der Staatsanwaltschaft", so behauptete er, wäre "reiner Zufall".
Nicht äußern wollte sich Edathy hingegen zu einem dienstlichen Laptop, den er am 12. Februar als gestohlen gemeldet hatte. Darauf vermuten Ermittler Spuren kinderpornografischen Materials. Edathy selbst hatte gegenüber dem SPIEGEL zwar die Bestellung von Nacktbildern Minderjähriger über das Internet eingeräumt, gleichzeitig aber vehement bestritten, dass es sich bei diesem Material um illegale Kinderpornografie handele.