Schlechte Luft an Berliner Polizei-Schießständen - bis zu 1532 Personen möglicherweise gesundheitlich geschädigt
Die Anzahl der Polizisten, die auf Berliner Schießständen ihre Gesundheit gefährdet haben, ist weit höher als angenommen. Das zeigt ein noch unveröffentlichter Zwischenbericht der "Internen Revision". Die Nachforschungen der Beschwerdestelle für den Zeitraum von 1996 bis heute ergaben einen "von gesundheitlichen Schädigungen potenziell betroffenen Personenkreis von insgesamt 1532 aktiven bzw. bereits pensionierten Dienstkräften". Grund dafür sind die veralteten Schießstände in Berlin, die zum Teil wohl krebserregende Stoffe freigeben. Atemwegs- und Lungenerkrankungen können die Folgen der mangelhaften Lüftung sein. Obwohl schon 2010 Gutachten die hohe Schadstoffbelastung feststellten, blieben die Bahnen noch mehrere Jahre in Betrieb. Bei 89 Beamten wurden schon gesundheitliche Einschränkungen festgestellt. "Die Interne Revision leistet sicherlich gute Arbeit, nichtsdestotrotz braucht es lückenlose Aufklärung durch eine externe Untersuchung", sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei Berlin. Auch der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, fordert "dringende Aufklärung dieses beispiellosen Vorgangs". Es sei selbstverständlich, allen potenziell Betroffenen eine unabhängige medizinische Untersuchung anzubieten und "individuelle Entschädigungen für das staatliche Versagen zu prüfen", so Lux. Die Polizei Berlin will dies offenbar auch tun: "Wir prüfen zurzeit, wie wir das mit externen Ärzten leisten können", sagt ein Sprecher. Der ärztliche Dienst der Polizei könne die Untersuchungen aufgrund der großen Zahl nicht schaffen.