"Schwabinger Kunstfund": Dritte Auflösung
Der Fall Gurlitt ist noch lange nicht aufgearbeitet. Zwei Ölgemälde wurden von den Experten einer Taskforce bisher als Raubkunst eingestuft und zur Rückgabe empfohlen, nun soll ein weiteres Werk folgen. Die Zeichnung "Das Klavierspiel" stammt von dem Maler Carl Spitzweg und dürfte um 1840 entstanden sein. Ansprüche angemeldet hatten die Nachkommen des Leipziger Musikverlegers Henri Hinrichsen (1868 bis 1942), der im KZ Auschwitz ermordet wurde. Hinrichsen war nicht nur Sammler, sondern auch Mäzen, gründete etwa eine öffentliche Musikbibliothek. Drei Söhne konnten emigrieren, die Enkelgeneration sucht seit Längerem nach den verschollenen Werken der Familie.
Seit Monaten erforscht die wegen ihrer Langsamkeit vielfach gescholtene Taskforce die Herkunft der weit über tausend Kunstwerke aus dem "Schwabinger Kunstfund". Die Gemälde und Zeichnungen gehörten Cornelius Gurlitt. Der Sohn und Erbe eines NS-Kunsthändlers, der im Mai gestorben ist, hat seinen Besitz dem Kunstmuseum Bern vermacht, dort will der Stiftungsrat bald verkünden, ob er das Erbe annimmt. Jedes neue Raubkunstwerk zeigt, wie kontaminiert dieser Nachlass ist.