Versicherungskonzern Signal Iduna hat Bauauftrag an Mitglied des eigenen Aufsichtsrats vergeben
Der Versicherungskonzern Signal Iduna hat bei einem Bauauftrag offenbar gegen Grundsätze der guten Unternehmensführung verstoßen, der Corporate Governance. Nutznießer war die Firma von Otto Kentzler, der als Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks eigentlich eine Vorbildrolle übernehmen soll. Bei der Erweiterung der Hauptverwaltung der Signal Iduna, einem 52-Millionen-Projekt in den Jahren 2008 bis 2010, erhielt Kentzlers Firma den Zuschlag für die Dachabdichtung. Schon damals saß der Handwerkspräsident in zwei Signal-Iduna-Aufsichtsräten: dem der Konzern-Holding, wo er 2010 zum stellvertretenden Vorsitzenden aufstieg, und dem der Signal Krankenversicherung a.G., wo er seit 2005 den Posten des Vizes innehatte. Damit profitierte Kentzler von einem Konzern, dessen Gesellschaften er als Aufseher kontrollieren sollte.
Wie die Kentzler GmbH & Co. KG mitteilte, war sie von der Signal Iduna ausdrücklich dazu "eingeladen" worden, sich "an einer Ausschreibung für Dachdichtungsarbeiten zu beteiligen". Auch bei einem anderen Konzern gebäude in Dortmund war Kentzler schon zum Zug gekommen.
Sowohl die Signal Iduna als auch Kentzlers Firma rechtfertigten die Vergabe damit, dass die Kentzler KG das beste Angebot abgegeben habe. Dass der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna, Reinhold Schulte, wie Juniorchef Heiko Kentzler demselben Rotary- Club in Dortmund-Hörde angehört, habe keinerlei Rolle gespielt. Die Vergabe sei durch ein unabhängiges Ingenieurbüro durchgeführt worden. Dass der Auftrag an Kentzler "rechtlich nicht zu beanstanden" sei, habe auch ein Gutachten ergeben, das die Signal Iduna nach (!) der SPIEGEL-Anfrage eingeholt hat. Zum Volumen des Auftrags, das nachträglich erhöht wurde, wollten beide Seiten indes keine Angaben machen. Nach dem Corporate-Governance-Kodex für börsennotierte deutsche Unternehmen soll der Aufsichtsrat solch einen Interessenkonflikt in seinem Bericht an die Hauptversammlung öffentlich machen. Bei der nicht börsennotierten Signal Iduna lief es anders. Nach einer internen Erörterung, so ein Unternehmenssprecher, habe man auf eine Veröffentlichung verzichtet, weil der Vorgang marktüblich und das Geschäft nicht wesentlich gewesen sei.