Täuschungsvorwurf gegen EU-Helfer
Die EU-Antibetrugsbehörde Olaf wirft einem langjährigen Projektpartner der EU-Kommission systematische Täuschung vor. Die International Management Group (IMG) und ihr Chef, der Italiener Dino Bicciato, hätten die Kommission über den Status als "internationale Organisation" getäuscht, um leichter an Hilfsgelder heranzukommen. "Es gibt Anzeichen von möglichem Betrug und damit verbundener Geldwäsche", schreiben die Ermittler. Olaf empfiehlt der EU-Kommission in dem Bericht, der dem SPIEGEL vorliegt, den sofortigen Stopp aller Überweisungen. So könnten wenigstens etwa 23 Millionen Euro gerettet werden, die noch nicht an die IMG gezahlt worden seien. Zudem sollten die Staatsanwaltschaften von Belgien und Frankreich eingeschaltet werden.
IMG hat seit 1994 mehr als 2000 Projekte mit einem Volumen von insgesamt 3,9 Milliarden Euro vor allem in Krisengebieten begleitet. Die Organisation mit Hauptsitz in Serbiens Hauptstadt Belgrad arbeitet für die EU beispielsweise bei der Ausbildung der Polizei in Burma oder überwacht in den Palästinensergebieten ein sensibles Softwareprogramm zur Überweisung von EU-Hilfen. "Es war illegal, dass die EU-Kommission letztlich einem Privatmann ohne ausreichende Kontrollen Geld in die Taschen gesteckt hat", sagt Inge Gräßle, die Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses im EU-Parlament. IMG-Chef Bicciato weist dagegen alle Vorwürfe zurück.