Präsident des Verfassungsschutzes gerät wegen V-Mann-Affäre weiter unter Druck - Sonderermittler eingesetzt
In der Affäre um V-Mann "Corelli" aus dem Umfeld des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gerät Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen stärker unter Druck. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) schickt Aufsichtsbeamte nach Köln, das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags setzt Sonderermittler Jerzy Montag in Marsch. Er soll bis Juli Ergebnisse liefern.
In der SPD heißt es, der Verbleib Maaßens im Amt hänge auch davon ab. Maaßen hat diese Woche einen schweren Fehler einräumen müssen: Im Panzerschrank eines V-Mann-Führers hatten Kollegen Sim-Karten entdeckt, die der einstigen Topquelle Thomas R. alias "Corelli" gehörten. Es war bereits der dritte auffallend späte Fund von Datenträgern aus dem Besitz des staatlich alimentierten Neonazis. 1995 hatte "Corelli" den späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos getroffen. Etliche Jahre vor Auffliegen des NSU hatte "Corelli" dem Verfassungsschutz eine CD mit der Aufschrift "NSU/NSDAP" übergeben. Sie wurde erst 2014 entdeckt. Kurz bevor Ermittler "Corelli" dazu befragen konnten, starb dieser an einem Zuckerschock. Jüngst tauchte im Bundesamt ein angeblich über Jahre hinweg übersehenes Handy "Corellis" auf, mit Kontaktdaten ins NSU-Umfeld. Heikel für Maaßen: Seine eigenen Leute ließen ihn über den Fund tagelang im Unklaren. Die nun entdeckten Sim-Karten "Corellis" hatte dessen ehemaliger V-Mann-Führer in einem Ordner mit Rechnungen versteckt. Maaßen spricht intern von einem "Eigenleben" seiner Behörde.
Der NSU-Untersuchungsausschuss im Düsseldorfer Landtag wollte den V-Mann-Führer jüngst befragen. Der Verfassungsschutz verweigerte diesem jedoch eine Aussagegenehmigung.