Weitere Vorwürfe gegen Wallraff - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Weiterer Wallraff-Mitarbeiter wirft dem Enthüllungsjournalisten vor, Co-Autorenschaften zu verschleiern

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Debatte um die Arbeitsmethoden des Autoren und Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff hat möglicherweise auch strafrechtliche Konsequenzen für mehrere Zeugen Wallraffs. Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach bestätigte, dass sie vergangene Woche Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der uneidlichen Falschaussage eingeleitet hat. Hintergrund sind eidesstattliche Versicherungen, die die Arbeiter einer Großbäckerei vorgelegt hatten, um Rechercheergebnisse von Wallraff zu stützen. Mehrere von ihnen hatten vor Gericht ausgesagt, die Schilderungen ohne fremde Hilfe formuliert zu haben. Nach Angaben von Wallraffs ehemaligem Mitarbeiter André Fahnemann haben die Arbeiter dagegen Blanko-Unterschriften abgegeben. Den Text hätten er, Fahnemann, und Wallraff später gemeinsam erstellt. Wallraffs Anwalt räumt die Blanko-Unterschriften ein, sagt aber, der Wortlaut der Texte sei mit den Betroffenen abgestimmt gewesen. Der Enthüllungsjournalist steht seit Wochen in der Kritik, nachdem Fahnemann diverse Interna öffentlich machte (SPIEGEL 33/2012). Inzwischen hat sich ein weiterer Mitarbeiter Wallraffs gemeldet. Der Journalist behauptet unter Pseudonym in einem Internetbeitrag, dass er es gewesen sei, "der den allergrößten Teil der Dreharbeiten mit versteckter Kamera für den Film 'Bei Anruf Abzocke' geleistet" habe. In der Reportage hatte Wallraff 2007 die schlechten Arbeitsbedingungen in Callcentern angeprangert. "Wallraff hat dort nicht selbst gedreht, auch wenn er vorher kurz bei CallOn Probe gearbeitet hatte", behauptet der Rechercheur, dessen echter Name auch in internen Dokumenten auftaucht. Wallraff habe ihm "fest versprochen, meinen Namen im Film wie auch im nachfolgenden Buch 'Aus der schönen neuen Welt - Expeditionen ins Landesinnere' zu erwähnen". Das sei nicht passiert. "Ja, er verschweigt danach auf unschöne Weise die Namen der Mitarbeiter, weil er es wohl nicht erträgt, den Ruhm teilen zu sollen", kritisiert der Journalist, der allerdings Wallraffs Arbeit prinzipiell für richtig hält und verteidigt. Der Anwalt von Günter Wallraff, Winfried Seibert, erklärt, sein Mandat sei in allen Callcentern, die in dem Film auftauchen, auch gewesen und habe dort auch überall gefilmt. Im Hinblick auf die Namensnennung des Mitarbeiters in dem Film verweist er auf die zuständige Produktionsfirma. Der Produzent von "Bei Anruf Abzocke", Gerhard Schmidt, erklärt, der Name sei in Absprache mit dem Journalisten "aus Gründen des Informantenschutzes" nicht genannt worden.