Die Kinder der Kleopatra: Nur Selene überlebte - DER SPIEGEL
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Kleopatras Kinder: Promi-Herkunft brachte frühen Tod

Die Kinder der Kleopatra Lebende Kriegsbeute

Kleopatra hinterließ vier Kinder - nur ihre Tochter entkam dem Fluch der prominenten Abkunft. Sie führte in Mauretanien das Vermächtnis ihrer Mutter fort. Ihre drei Geschwister kamen schon früh ums Leben.
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Mehr Glamour geht kaum in einem antiken Stammbaum: der Vater der unumstrittene Herrscher über den mächtigsten Staat seiner Zeit, die Mutter eine schillernde Königin aus traditionsreicher Dynastie. Kaisar, der Sohn Cäsars und Kleopatras, hatte indes nie die Chance, seine Zeitgenossen zu beeindrucken. Er musste sterben, als er gerade die Schwelle zum Erwachsenenalter erreicht hatte, als Teenager mit 17 Jahren.

Der Erstgeborene der Kleopatra kam auf die Welt, als sein Vater, der römische Diktator, im Jahr 47 v. Chr. aus Ägypten zu einem Feldzug nach Syrien abgereist war. Seine drei Halbgeschwister, die im Jahr 40 geborenen Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene sowie der im Jahr 36 geborene Ptolemäus Philadelphos, waren Abkömmlinge des Marcus Antonius.

Die Lebensgeschichten dieser vier Kinder Kleopatras endeten mit einer Ausnahme tragisch. Zum Verhängnis wurde ihnen die Abstammung. Schon ihre Namen zeugten von den großen Plänen, die die Eltern für sie hegten. Helios war der Sonnengott, Selene die Göttin des Mondes, und Kaisar bekam bereits als Kleinkind den Titel "Ptolemäus, der auch Kaisar genannt wird, vaterliebender und mutterliebender Gott" verpasst.

So ließ ihn seine Mutter im Jahr 44 nennen, als sie ihren Sohn im zarten Alter von drei Jahren als Ptolemäus XV. zu ihrem Mitregenten erhob. Sie hatte damals gerade seinen Vorgänger, ihren Bruder Ptolemäus XIV., beseitigen lassen. Doch brachte sie mit seiner Beförderung auch ihren Sohn gleich in Lebensgefahr. Denn im selben Jahr wurde auch Kaisars Vater in Rom ermordet.

Machtkampf zwischen Octavian und Gaius Cäsar

Für Octavian, den Adoptivsohn Cäsars, der sich selbst Gaius Cäsar nannte, war der leibliche Erbe des Diktators eine fleischgewordene Bedrohung seiner Machtansprüche. Octavians Gefolgsleute streuten Zweifel, ob Kaisar tatsächlich Cäsars leiblicher Sohn war. Doch dass dies auch Octavian selbst glaubte, zeigte sich an der Unerbittlichkeit, mit der er den jüngeren Rivalen verfolgte.

Kleopatra vermochte ihren exponierten Sohn nicht zu schützen, obwohl sie ein Liebes- und Machtbündnis mit Octavians anfänglichem Co-Regenten und späteren Schwager einging, dem mächtigen Feldherrn Antonius. Der steigerte das Risiko nur noch, als er nach einem militärischen Erfolg über die Armenier im Jahr 34 Kaisar mit Kleopatra zum "König der Könige" ernannte und ihn damit in die Tradition Alexanders des Großen stellte.

Die Zeremonie ist einer der raren Anlässe, bei denen die Kinder in der Geschichtsschreibung auftauchen. Plutarch berichtet, wie Antonius niedrige Thronsessel für die Kinder neben dem seinen und dem Kleopatras aufstellen ließ. "Zugleich ließ er Alexander in medischer Tracht mit Tiara und aufrechter Kitaris (Kopfbedeckungen) auftreten, Ptolemäus in Sandalen, mit der Chlamys (einem kurzen Mantel) und diademgeschmückter Mütze; die war nämlich die Tracht der Nachfolgekönige Alexanders, die der medischen und armenischen Könige."

Vier Jahre später war es mit der dynastischen Symbolpolitik dahin, Octavian eroberte Alexandria, Kleopatra und Antonius begingen Selbstmord, auch das Schicksal der Kinder war besiegelt. Am tragischsten endete der Erstgeborene, den seine Mutter noch nach Äthiopien hatte bringen lassen, von wo er mit dem Schiff nach Indien fliehen sollte. Kaisar kehrte stattdessen ins besetzte Alexandria zurück, sein Verhängnis.

In der Falle: Kaiser wird umgebracht

Warum er in die Falle lief, bleibt unklar. Plutarch schreibt, Kaisars Lehrer Rhodon habe ihn umgestimmt, womöglich ein Verrat. Wahrscheinlich glaubte Kaisar, er könne in Ägypten König bleiben. Stattdessen metzelten ihn die Häscher des Siegers nieder.

Plutarch berichtet außerdem, die Entscheidung sei Octavian nicht leichtgefallen. Erst nach einem Ausspruch des Philosophen Areios habe er sein Todesurteil gefällt. Areios soll gesagt haben, vielfaches Kaisertum (polykaisarie) sei nie von Nutzen. Doch eine solche Belehrung hatte ein Machtpolitiker wie Octavian kaum nötig, es handelt sich mithin wohl um augusteische Propaganda.

Wenig ist deshalb auch über Kaisars Temperament bekannt, seine Erziehung oder seinen Charakter. Spätere Chronisten zeichneten ihn als weniger durchsetzungsfähig als seine Eltern, doch er hatte nie die Chance, dieses Bild zu korrigieren.

Ein 1998 im Hafenbecken von Alexandria geborgener 80 Zentimeter großer Granitkopf zeigt einen jungen Mann mit weichen Zügen unter dem traditionellen Kopfputz der Pharaonen. Doch ob das 2006 in der Berliner Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze" gezeigte Kunstwerk tatsächlich den Sohn Kleopatras zeigt, ist ungewiss; gelegentlich ließ sich auch Octavian als späterer Kaiser Augustus in solcher Ausstattung porträtieren.

Mitlaufen als lebende Kriegsbeute

Im Unterschied zum älteren Halbbruder blieben die drei jüngeren Kinder Kleopatras zunächst am Leben, sie mussten in Rom im Triumphzug Octavians als lebende Kriegsbeute mitlaufen, neben einem Abbild ihrer toten Mutter. Sie kamen in den Haushalt von Octavians Schwester Octavia, die sie gemeinsam mit zwei Halbschwestern aufzog.

Von den beiden Jungen sind danach allerdings keine weiteren Quellen überliefert, vermutlich kamen Alexander Helios und Ptolemäus Philadelphos kurz danach ums Leben. Die meisten Historiker mutmaßen, dass die ägyptischen Kinder eines natürlichen Todes starben, zum Beispiel durch Krankheiten, die sie sich im ungewohnt kalten Klima Roms zuzogen.

Das Vermächtnis der Mutter fortzuführen blieb der einzigen Tochter vorbehalten, die in den Plänen ihrer Eltern kaum eine Rolle gespielt hatte. Kleopatra Selene wurde mit einem jungen Nordafrikaner verheiratet, der ebenfalls im Haushalt Octavias aufwuchs: mit Juba II., einem Königssohn aus dem unterjochten Landstrich Numidien im Südwesten Karthagos. Er war bei der Heirat ungefähr 22 Jahre alt, Kleopatra Selene 15.

Die jungen Exilanten sollten dem römischen Machterhalt dienen. In Mauretanien, in etwa das Gebiet des heutigen Algerien und Marokko, hatte die Königsfamilie keine Nachkommen mehr. Rom wünschte sich aber verlässliche Partner im Einflussgebiet und setzte das junge Paar auf den exotischen Thron. Dort begründeten Juba und Selene rasch ein florierendes Gemeinwesen. Sie bauten die alte karthagische Handelsstadt Iol wieder auf und nannten sie Caesarea (heute Cherchell in Algerien), bald wurde sie zum wichtigsten Handelszentrum in Nordafrika.

Selene knüpft an familiäre Wurzeln an

Doch mit der Namensgebung war der Rom-Treue auch schon Genüge getan. Denn Selene knüpfte unübersehbar an ihre familiären Wurzeln an. Sie ließ Kunstschätze in großer Zahl aus Alexandria herbeischaffen. Ihrem Ruf folgten Priester, Künstler und Gelehrte aus der ägyptischen Metropole. Nach dem Vorbild ihrer Mutter führte die Königin Griechisch als Sprache bei Hofe ein, ihre Münzen ließ sie mit griechischen Buchstaben prägen.

Ihr Mann Juba arbeitete selbst als Gelehrter, er schrieb die "Libyka", die bedeutendste Geschichte Nordafrikas seiner Zeit. Bei allem Selbstbewusstsein muss das Königspaar über einiges diplomatisches Geschick verfügt haben, denn es sind keine politischen Spannungen mit Rom überliefert.

Selene gebar einen Sohn, den späteren mauretanischen König Ptolemäus, danach wohl noch eine Tochter namens Drusilla, bevor sie um das Jahr 5 n. Chr. starb.

Das stolze Geschlecht der Ptolemäer kam im Jahr 40 an sein Ende, durch einen Römer. Kaiser Caligula lud den König Ptolemäus, Enkel der Kleopatra, nach Rom und ließ ihn dort ermorden. Den anschließenden Volksaufstand schlugen römische Truppen nieder und machten das Königreich des letzten Ptolemäers zur Provinz des Reiches.