Sachbücher: Die große Idee - DER SPIEGEL
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Sachbücher Die große Idee

Die Journalistin Luc Jochimsen legt anlässlich des 100. Todestags von Theodor Herzl ein Porträt des Zionismus-Begründers vor.
Von Olaf Ihlau
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er liebte die deutsche Sprache und die preußische Staatsordnung, war als Wiener Jurastudent Mitglied einer schlagenden Verbindung, er verehrte Luther, Bismarck und den deutschen Kaiser, ehe ihn "die Wollust der großen Idee" packte: der Traum von einem freien Staat der Juden. "Wir haben alles versucht, ihr wollt uns nicht, wir gehen", kommentierte 1896 der erst 35jährige Publizist Theodor Herzl die Herausgabe seiner Denkschrift "Der Judenstaat", mit der er die zionistische Vision von der Heimkehr aller Juden nach Palästina beschwor - und die Welt veränderte.

Lange vor Massenverfolgung und Auschwitz sah der gebürtige k. u. k. Ungar und brillante Feuilletonist die Assimilierungsanstrengungen der Juden in Europa als gescheitert an. Herzl warb vor Kaiser, Sultan, Papst: "Man gebe uns Land und Souveränität, alles andere werden wir selbst besorgen."

Vor 100 Jahren starb Herzl, gerade 44 Jahre alt, zerbrochen, gescheitert an seiner Mission, die sich erst nach dem Holocaust erfüllte. Europa wollte zwar die Juden loswerden, sie aber nicht nach Palästina lassen. Argentinien, Mesopotamien und das heutige Uganda waren im Angebot. Die Journalistin Luc Jochimsen hat die Stationen von Herzls Wirken zu einem trefflichen Porträt aus dem Reich des Dämonen Antisemitismus verdichtet. Ein Buch über Toleranz und deren Grenzen - auch im heutigen, realen Staat der Juden, von dem Herzl einst forderte, "dass sich der Fremde dort wohl fühlt". Eine Pflichtlektüre für den Geschichtsunterricht.