Belletristik Fataler Liebeswirrwarr
Nun ja, der britische "Observer" ist auf das Verwirrspiel hereingefallen. Der "Scotsman" hat immerhin vermutet, dass hinter der angeblich 24-jährigen französischen Debütantin Danuta de Rhodes der britische Autor Dan Rhodes, 32, stecken könnte. Der Londoner "Independent" fragte bei Dan Rhodes direkt nach, ob Danuta sein Pseudonym sei, was dieser bestritt.
Allein der "Daily Telegraph" hatte nie den geringsten Zweifel, dass der Roman "Lady Di oder Das kleine weiße Auto" von jenem Briten stammte, der ein Jahr zuvor auf die Granta-Liste der 20 viel versprechendsten Autoren der Insel gesetzt worden war: "Unverwechselbar derselbe Prosastil: genaue Beobachtungen, absurd, sentimental und oft sehr, sehr lustig."
Tatsächlich ist der Roman nicht nur ausgesprochen unterhaltsam geschrieben - auch die Geschichte selbst ist ziemlich amüsant: Die junge Französin Véronique verbringt einen nervigen Abend bei ihrem bekifften Freund Jean-Pierre und gerät mit ihm in einen Streit über das dritte Album des Experimentellen Sofioter Brotbrett-Oktetts. Wie der Refrain von "Joe Le Taxi" klinge eines der Stücke, behauptet Véronique, und Jean-Pierre, der sich für den einzigen wahren Musikkenner hält, ist entrüstet. Da Véronique, inzwischen selbst bekifft und betrunken, sowieso die Nase voll hat von dem Hänger, der nie etwas auf die Reihe bekommt, macht sie kurzerhand Schluss und fährt mit ihrem Bernhardiner in ihrem weißen Fiat Uno nach Hause.
Am nächsten Nachmittag, als sie wieder so halbwegs zu sich gekommen ist, schaltet sie den Fernseher an und sieht Bilder eines zerstörten schwarzen Mercedes - genauer gesagt, Lady Di's Limousine. Ein weißer Fiat Uno, heißt es, habe das Unglück verursacht. "Oh, Scheiße", sagt Véronique, "ich hab die Prinzessin umgebracht." Was tun?
Das Auto gehört auch noch ihren Eltern, die, Glück im Unglück, im Urlaub sind. Wenigstens kann Véronique sich auf ihre beste Freundin Estelle verlassen - die ist gerade vom Drogenentzug in einer Privatklinik nach Paris zurückgekehrt. Gemeinsam entwickeln sie verschiedene Pläne zur Spurenvertuschung, die alle scheitern - inklusive eines merkwürdigen One-Night-Stands mit einem Automechaniker (spätestens hier hätte der "Observer" misstrauisch werden müssen: Das ist schließlich die blödeste Männerphantasie über Frauenphantasien). Am Ende machen die beiden jungen Frauen sich daran, den Fiat in kleinste Teile zu zerlegen und die Schrottreste auf dem Weg zur Arbeit in diversen Mülleimern zu entsorgen.
Doch das ist nur der Plot des Romans: Am lustigsten sind die skurrilen Nebenfiguren, die alle an irgendwelchen Liebesgeschichten gescheitert sind. Und genau das ist auch das Unverwechselbare an Rhodes' Büchern, von denen in Deutschland bisher nur "Timoleon kehrt zurück" erschienen ist: Jedes Werk dient dazu, möglichst viele desaströse Beziehungen zu schildern.
Das liege an dem "katastrophalen Liebesleben" des Autors, der sich nur für "unerreichbare, überirdische" Frauen interessiere, hat eine britische Freundin und Kollegin des Verfassers behauptet. Rhodes bestreitet das. Er habe lediglich "kein Glück" bei Frauen gehabt.