Belletristik: Und ewig bockt das Weib - DER SPIEGEL
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Belletristik Und ewig bockt das Weib

In dem amüsanten Debüt "Der perfekte Mann" erzählt Morten Feldmann von domestizierten, geknechteten Geschlechtsgenossen und bösen Frauen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sebastian ist ein erfolgreicher Schauspieleragent und ein Mann, der die Frauen versteht. Das sagt er, in aller Bescheidenheit, von sich selbst: "Ich glaube, wenn sich Frauen ihren Ehemann aus einer Rippe schnitzen könnten, käme ich dabei heraus. Ich bin humor- und verständnisvoll, aufmerksam und nicht aus Holz. Ich bin genau der Mann, den meine Frau immer gewollt hat, sagt sie, und ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln."

Sebastian ist das gelungene Ergebnis weiblicher Erziehungsarbeit: solide, ansprechbar, anspruchslos. Er verabscheut jede Form von Machotum, ist treu, macht nie anzügliche Bemerkungungen, ist rücksichtsvoll und fürsorglich.

Er vermutet, dass sogar sein Geschmack, was Frauen angeht, von Frauen bestimmt ist. Als sich Sebastian in seine Frau verliebt, fühlt er sich unterlegen und ahnt von Anfang an, dass ihm harte Zeiten bevorstehen. Sie tut sich nur mit ihm zusammen, fürchtet er, weil sie genug hat vom schnellen Sex. "Sie suchte einen sicheren Hafen. Was so viel heißt wie: Sie war reif für einen Mann, der nicht wehtat."

Der Ich-Erzähler Sebastian ist mit seiner entwaffnenden Ehrlichkeit und aufrichtigen Liebe ein unbeirrbarer Romantiker, ein Held von der traurigen Gestalt, der einem schnell und heftig ans Herz wächst. Er hat eine unwiderstehliche Art, seiner Frau, einer charmanten Schauspielerin, die gern feiert, unentwegt beizustehen - was ihm natürlich nicht gedankt wird.

Der deutsche Autor Morten Feldmann, 37, der als Drehbuchschreiber in der Nähe von Los Angeles lebt, hat diesen modernen Don Quichotte in seinem Allerweltsunglück porträtiert, einen "enteierten" Mann, der sich selbst verleugnet, weil es das ist, was er gelernt hat - er also gar nicht mehr anders kann.

Feldmanns Debüt ist erhellend wie eine Sozialstudie, psychologisch versiert, ausgesprochen witzig und glänzend geschrieben. Er schildert - böse und komisch - einige Gepflogenheiten der Filmbranche und seine Sicht auf den aktuellen Stand des Geschlechterk(r)ampfes: Frau sein bedeutet im Zeitalter des Postfeminismus im Recht zu sein, die Political Correctness triumphiert, Männer sind das unterdrückte Geschlecht, jedenfalls in den so genannten besseren Kreisen. Sie sind weitgehend domestiziert, füttern den Nachwuchs mit Vollkornkeksen und halten sich mit eigenen Wünschen und Vorstellungen zurück - Frauen überwachen diesen Lernprozess kritisch, sie sind ein Teil des männlichen Gewissens geworden.

Sebastians Frau lässt sich lieben und versorgen und hat auch keine Hemmungen, ihren Mann in einem Kabarettprogramm zu verwursten. In der selbstlosen und unbedingten Verehrung seiner Frau hat Sebastian zunächst etwas Kindsköpfiges, die verdrängten Lebens- und Liebeswünsche, die er mit sich herumträgt, geben ihm jedoch zunehmend die Aura eines melancholischen Verlierers.

Feldmanns Geschichte erinnert in ihrem Temperament und ihrer leidenschaftlichen Schärfe an die frühen Bücher des britischen Autors Nick Hornby - nur dass dessen männliche Helden egoistische Narzissten waren, unter denen die Frauen litten.

"Vor einem Mann, der nicht wehtut, hat eine Frau keinen Respekt", sagt Ella, eine Bekannte, zu Sebastian. Doch der liebt unverdrossen weiter, an der Aufrichtigkeit seines Herzens prallen alle Demütigungen ab - bis zu dem Moment, wo er nicht mehr übersehen kann, dass seine Frau ihn betrügt und ihn die Eifersucht zum Handeln treibt.