Belletristik: Inspiration des prallen Hinterns - DER SPIEGEL
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Belletristik Inspiration des prallen Hinterns

Der Baske Juan Bas gibt im skurrilen politischen Kriminalroman "Skorpione im eigenen Saft" die baskische Terrororganisation Eta der Lächerlichkeit preis.
Von Margit Knapp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kein Buch, das mit einem Champagnerrezept beginnt, verheißt spritzige Lektüre. "Skorpione im eigenen Saft" ist eine gewitzte Kriminalgeschichte, ein kulinarisches Lesevergnügen und nicht zuletzt ein politisches Buch. Denn der Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist Juan Bas, 1959 in Bilbao geboren, gehört einer Generation an, der erstmals ein ironischer Umgang mit der nationalistischen Baskenorganisation Eta gelingt. Wie der kürzlich verstorbene Krimiautor und Gourmet Manuel Vázquez Montalbán kombiniert Juan Bas dabei vergnüglich und frech die unterschiedlichsten Zutaten miteinander.

Die Liebe zur gehobenen Tapas-Küche lässt den Ich-Erzähler Francisco Javier Murga Bustamente, kurz Pacho, mit dem ehemaligen Vorkoster von Franco zusammentreffen. Von dessen düsterer Vorgeschichte und von dessen Rachegelüsten ahnt Pacho jedoch lange nichts.

Pacho, Gourmet und Spieler, Fan von "Tim und Struppi", begegnet diesem Antontxu Astigarraga in dem Moment, in dem ihm sein reicher Vater den Geldhahn abgedreht hat und er sich mit Hund Struppi auf die Suche nach der leidigen Lohnarbeit begeben muss. Die Schnodderschnauze - von Susanna Mende wunderbar ins Deutsche übertragen - beherrscht Pacho weit besser als die gehobene Ausdrucksweise, was leicht zu einer falschen Selbsteinschätzung führen kann und ihm die Arbeitssuche nicht unbedingt erleichtert. Während einer Sexorgie, beim Anblick eines schönen runden Hinterns, kommt Pacho die Idee, mit Antontxu die "Weltkarte von Bilbao" zu eröffnen, die beste Tapas-Bar der Welt.

Antontxu, Weinkenner, Liebhaber von korpulenten Frauen und exzellenter Koch, ist von mörderischen Rachegedanken besessen. Als Junge wurde er von seinem Onkel für eine Verschwörung benutzt. Er sollte Franco vergiften. Da er gemeinsam mit seinem Vater bei Franco Vorkoster war, fiel es ihm leicht, Gift auf die Tintenfische zu tröpfeln, die Franco jedoch an diesem Tag leider verschmähte und die Antontxus Vater in der Küche verspeiste. Der Diktator überlebte, der Vater starb, der Junge fiel 13 Jahre lang ins Koma - das vermeintliche Gegengift für die Dosis, die er selbst abbekommen hatte, hatte nicht gewirkt.

Als er mit 31 Jahren als erwachsener Mann mit der Lebenserfahrung eines 18-Jährigen aus dem Koma erwacht, während ihn ein Jesuitenpater sexuell missbraucht, schwört er dem Onkel und dessen fünf Mitstreitern Rache dafür, dass sie ihn kaltblütig opfern wollten - als billigend hingenommenen Kollateralschaden beim geplanten Tyrannenmord. Franco ist am Vortag eines natürlichen Todes gestorben.

Antontxu zieht als Racheengel in die Welt. Und er erwischt die Verschwörer von einst der Reihe nach, indem er in verschiedene Rollen schlüpft: in die des reuigen Sünders, des feurigen Liebhabers, des professionellen Kochs. Den Pater, der es inzwischen zum Bischof gebracht hat, zerstückelt er; die Opernsängerin Blanca verwöhnt er mit den herrlichsten Speisen, um ihr schließlich eine tödliche Diät zu verpassen. Nur die größte Rechnung ist noch offen: die mit dem Onkel.

Als Pacho von der Vorgeschichte seines Kumpels erfährt, rast er los, um zu verhindern, dass der baskische Ministerpräsident zu vergifteten Austern greift. Doch das Taxi steckt im Stau fest.

Am Ende der Lektüre wundert einen gar nichts mehr. Weder die Ähnlichkeit zwischen den Mechanismen der engstirnigen baskischen Terrororganisation Eta und denen der Franco-Diktatur noch der Umstand, dass sich Mörder leidenschaftlich zu Bäckerinnen hingezogen fühlen. Und schon gar nicht die Versicherung, dass Blumenkohleis mit rohen Austern ein erlesenes Gaumenvergnügen sei.

Das Lesevergnügen ist jedenfalls garantiert.