Klimafreundliche Technik: Öko-Vision im Yangtze - DER SPIEGEL
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Klimafreundliche Technik Öko-Vision im Yangtze

Auf einer Insel vor Shanghai soll zur Expo 2010 eine grüne Stadt entstehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus den grünen Schilffeldern der sandigen Ufer von Dongtan steigen weiße Pfeifschwäne und Mönchskraniche auf. In den wogenden Feldern verbergen sich Vögel wie die Mandarin-Ente und die Reliktmöwe.

In der Mitte des Flusses hat die Strömung des mächtigen Yangtze, der sich bei Shanghai in das Ostchinesische Meer ergießt, Sand und Lehm zur weltweit größten Schwemminsel angespült.

Die Sedimentablagerungen auf der rund hundert Kilometer langen Insel Chongming, einem international anerkannten Vogelschutzgebiet, wurden auch durch Umweltfrevel verursacht. Die Abholzung der Wälder, die Urbanisierung der Uferlandschaften sowie der Bau von Staudämmen führten dazu, dass der Fluss immer mehr versandete.

Im Osten der Insel soll jetzt auf 86 Quadratkilometern, gut ein Drittel größer als Manhattan, die weltweit erste "Öko-Stadt" entstehen. "Dongtan ist echte Pionierarbeit", sagt der örtliche Projektleiter Dong Shanfeng des internationalen Projektentwicklers Arup. In China hat Arup bereits 300 Bauten - von der Bibliothek bis zum Kraftwerk - realisiert.

"Wir werden hier demonstrieren, was Nachhaltigkeit tatsächlich bedeuten kann", verspricht Arup-Berater Herbert Girardet vom World Future Council (WFC), der seinen Sitz in Hamburg hat. "Wenn Dongtan erfolgreich ist", so der Umweltschützer und Verlagserbe Girardet, "dann wird der Rest der Welt davon lernen können."

Zukünftig keine 20 Minuten entfernt von der Superboomstadt Shanghai soll mitten im Yangtze eine sich selbst versorgende Stadt entstehen. Eine maximal sechsstöckige Bebauung will eine umweltgerechte Infrastruktur für später bis zu 500.000 Menschen anbieten. Bis zur Eröffnung der Weltausstellung Expo im Jahr 2010 sollen bereits mindestens 30.000 Dongtaner hier wohnen.

Noch ist Dongtan nur eine "Öko-Vision" auf den Rechnern der Entwickler. Aber der Masterplan der Stadt Shanghai ist bereits unterzeichnet. Gesucht werden jetzt Investoren für die Stadt der Zukunft, die den stark wachsenden asiatischen Metropolen Auswege aus der Umweltkrise aufzeigen soll.

So sollen Solarzellen auf den Dächern die Energie einfangen, die für die Hausversorgung gebraucht wird. Windräder am Rande der "Eco-City" liefern Strom. Und ein flächendeckendes Nahverkehrssystem soll den Energieverbrauch der zunächst drei dezentralen grünen Dörfer senken.

Busse, Boote, Straßenbahnen sowie Autos, teilweise mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb, sollen den öffentlichen Transport bewältigen. Privatautos sind am Rande der ruhigen Wohnzonen zu parken. Selbst die in den chinesischen Metropolen teilweise brachial verdrängten Radfahrer sollen wieder gefördert werden.

Der ökologisch beste Verkehr ist allerdings auch in Dongtan der vermiedene Verkehr. Deshalb wird städtebaulich - wieder einmal - die Einheit von Wohn- und Arbeitsplatz gefördert. Dienstleistungsbetriebe, wissenschaftliche Institute und weitere saubere Umweltindustrien, so hoffen die Reißbrett-Ökologen, sollen die Zahl der umweltbelastenden Pendler ins 25 Kilometer nahe Shanghai reduzieren.

Heute machen sich Taxifahrer, Garküchenbetreiber und andere Malocher mit altertümlichen Fährschiffen in die Metropole auf. Ob sie sich tatsächlich Öko-Hightech wie Carsharingtransporte mit Brennstoffzellen-Mobilen oder die geplanten schicken Wassertaxis im neuen Venedig des Ostens leisten können, ist fraglich.

"Unsere Wirtschaft", behauptet Ma Chengliang, Manager bei der Shanghaier Entwicklungsfirma SIIC, "hat ein Niveau erreicht, das es uns erlaubt, solche Dinge anzufangen."

Rund 60 Prozent der Fläche in dem neuen Öko-Paradies sollen weiterhin für die Landwirtschaft genutzt werden. Seit Jahrhunderten wachsen auf dem lehmigen Schwemmland Blumenkohl, Brokkoli und Bambus. In Teichen wird die örtliche Spezialität, ein schmackhafter Krebs, gezüchtet. "Wir werden den Bauern neue Verdienstquellen anbieten können", sagt Öko-Berater Peter Head von Arup in London.

Doch schon deuten sich erste Konflikte an. Bei einigen Investoren steht der Bau von Golfplätzen auf der Wunschliste. "Driving Ranges im Vogelschutzgebiet sind nicht unser Ziel", sagt hingegen WFC-Berater Girardet.

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