Achilles' Ferse: Aliens in den Waden - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Aliens in den Waden

Am Halbmarathon haben viele Achilles-Fans ein großes Interesse. Darum heute ein Spezial zu diesem Thema. Was muss ich bei der Vorbereitung beachten? Wie kann ich schnell in gute Form kommen? Achim und Co. wissen Rat. Eines vorweg: halbe Sachen bringen nix.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
jetzt wo ich gesehen habe, dass auch andere fragen, traue ich mich endlich: Ich habe mich für einen Halbmarathon in gut vier Wochen angemeldet und war seitdem auch schon, ich glaube, fünfmal traben. Läuft ganz gut inzwischen. Mein Ziel ist, Minimum 95 Minuten, besser 93 wie vor vier Jahren. Ich bin ziemlich fleißig geradelt und insgesamt einigermaßen in Form. Jetzt bin ich gerade dabei, auf 16 Kilometer zu gehen im Training. Meinst Du, der Halbmarathon ist drin? Und wie trainiere ich in der verbleibenden Zeit am sinnvollsten?
Gruß aus Stuttgart, Dirk

Hallo Dirk,
da fehlen dem Fachmann noch ein paar Angaben: Wie alt, schwer und groß bist du? Was hast Du vor vier Jahren für die 1:35 Stunden Endzeit trainiert und wie sieht der Vergleich dazu für dieses Jahr aus? Generell scheint es mit Deiner Ausdauer durch Dein Radtraining hoffentlich gut bestellt zu sein. In vier Wochen die 21 Kilometer zu schaffen, ist sicher nicht das Problem. Nur die Zeit kann ich Dir nicht prognostizieren. Inhaltlich solltest Du weiterhin viermal traben in der Woche: einmal 90 Minuten locker, zweimal 60 Minuten zügig und einen Lauftag für Rhythmusläufe nach Geschmack. Zum Beispiel Fünf-Minuten-Intervalle, wo Du das 1:35-Stunden-Tempo probst.
Viel Erfolg, und vor allem Spaß beim Training, Jens Karraß

Lieber Dirk, Du Riesentalent,
bei allem Respekt für Deinen Optimismus: Wenn Du mit diesen Mini-Programm einen Halbmarathon mit 4:25 Minuten pro Kilometer absolvierst, was läufst Du dann erst nach zwei Jahren konzentriertem Training? Olympia 2008 in Peking ist Deine Veranstaltung. Ich würde zu gern Deine wirkliche Endzeit wissen. Bitte melden.
Skeptischer Gruß, Achim

Lieber Achim,
ich habe vor zirka zwölf Wochen angefangen, für einen Halbmarathon zu trainieren. Zweimal die Woche kurz (sieben oder zehn Kilometer) und einmal lang (inzwischen 22 Kilometer). Die langen Läufe, zwei bis zweieinhalb Stunden, finden sonntagmorgens nach ordentlichem Trinken, aber sonst auf leeren Magen statt. Während des Laufes und dem nachfolgenden Dehnen ist alles in Ordnung. Selbst die Treppen in das zweite Obergeschoss schaffe ich noch auf Zehenspitzen (fast). Aber dann geht es unter der Dusche los, meine Waden scheinen zu explodieren. Es arbeitet, zuckt und schmerzt heftig. Nach einer bis anderthalb Stunden ist alles vorbei. Ich nehme abwechselnd eine Calcium- oder Magnesium-Tablette zu mir. Und jeden Tag eine Mineralien-Tablette. Was fehlt mir?
Gruß, Ralf

Hi Ralf,
geh' einfach nicht auf Zehenspitzen bis ins zweite Obergeschoss! Du bist wahrscheinlich muskulär müde von Deinem für Dich doch sehr langen Lauf. Deine Waden machen einfach dicht nach so einer Kraftübung. Macht fast jede Wade, auch die von Profis. Also sei vorsichtig im Treppenhaus!
Grüße, Fahrstuhl-Karraß

Lieber Ralf,
Ihnen fehlt nichts. Es wäre schön, wenn wir unendlich viele Kilometer ohne Pause, Beschwerden oder Ermüdungserscheinungen laufen könnten, aber so einfach ist es nicht. Bedenken Sie, dass Sie einmal pro Woche zwei- bis dreimal so lange laufen wie sonst. Das ist logischerweise eine extreme Belastung. Die Beschwerden können wohl eine Folge Ihres Laufstils sein: Läufer, die auf der Fußspitze landen, neigen zu Problemen der Wadenmuskulatur und der Achillessehne. Dagegen gibt es keine Patentlösung. Einigen Läufern hilft es, unmittelbar nach dem Training die Waden mit eiskaltem Wasser über 30 bis 40 Sekunden zu spritzen. Dadurch kann man die lokale Entzündung deutlich reduzieren. Aber an Ihrer Stelle wäre ich froh, wenn die Beschwerden tatsächlich nach einer Stunde abklingen und Sie das Training ohne Probleme fortsetzen können.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo

Lieber Ralf,
ehrlich: Du kannst froh sein, wenn das alles ist, was Du nach einem harten Trainingssonntag auf nüchternen Magen erlebst. Meine Waden neigen dazu, sich selbstständig zu bewegen, als ob irgendwelche Aliens unter der Haut Pogo tanzen. In der Badewanne schlagen die Waden Wellen, ohne dass ich sie bewege. Danach tun diese hinterlistigen Dinger so, als sei alles okay. Aber wehe, ich lege mich hin. Dann fahren die Krämpfe wie ein glühender Stahl in die Beine – Stoff für einen Horrorfilm.
Am Stock, Achim

Lieber Achim,
ich (weiblich, 29 Jahre alt) bin vor knapp drei Wochen meinen ersten Halbmarathon gelaufen - in rund zwei Stunden. Schon während des Laufes war ich komplett flach - Schwindel, Kreislaufprobleme, Gefühle des Nie-wieder-Laufen-Wollens. Ich laufe schon ewig, mit Spaß und Ehrgeiz, zwei- bis dreimal pro Woche und habe eine gute Grundausdauer. Mein erster Wettbewerb, ein Zehn-Kilometer-Lauf im vorigen Jahr, ging in unter 50 Minuten. Seit dem Halbmarathon ist alles ganz anders: erst einmal zehn Tage Pause (auch leichte Erkältung), danach dreimal ein zaghafter Laufversuch. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt: Beine wie Blei, unbestimmte Schmerzen/Schwäche von der Hüfte bis zu den Zehen, und nach zehn Minuten ist der Ofen aus. Nichts geht mehr! Was kann das sein? Ich komme mir vor wie ein blutiger Laufanfänger!
Verzweifelt, Caroline

Hi Caro,
lass den Kopf nicht hängen! Mach bitte eine Woche Ruhe, kein Laufen! Irgendwas stimmt nicht, womöglich hast Du einen Infekt verschleppt. Als 50-Minuten-Läuferin hättest Du nach einem Zwei-Stunden-Halbmarathon ein Liedchen trällern müssen. Also ruhe Dich aus und wenn sich nichts bessert, befolge den Ratschlag eines guten Arztes: Ich übergebe an Doc Dimeo!
Dein Jens Karraß

Liebe Caroline,
ein Leistungseinbruch kann verschiedene Ursachen haben. Vielleicht hatten Sie sich viel zu hohe Ziele gesteckt, trainierten in den Wochen vor dem Wettkampf viel zu intensiv und kamen zu dem Halbmarathon in einem leichten Übertrainingszustand. Das Rennen hat Ihnen dann den Rest gegeben und Sie werden einige Wochen brauchen, bis Sie Ihren alten Leistungsstand wieder erreichen. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten. Ein verschleppter Virusinfekt, Eisenmangel oder eine chronische Entzündung können ebenfalls solche Beschwerden verursachen. Wenn Sie in den kommenden zwei bis drei Wochen trotz einer Trainingsreduktion keine Besserung spüren, ist ein Besuch beim Hausarzt sehr ratsam.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo