Achilles' Ferse: Alter trainiert für Olympia - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Alter trainiert für Olympia

Der Weg zum Erfolg führt über die Antillen: Wer um olympische Medaillen kämpfen will, so Achim und Co., braucht ein Einwanderungsland und einen harten Trainingsplan. Nicht zu vergessen Gehpausen. Und bei aller Schinderei, sollte man sich stets sauwohl fühlen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
weil ich tagsüber überwiegend sitze, versuche ich, etwa zweimal pro Woche meine Stammrunde (12,5 Kilometer überwiegend auf Asphalt) zu laufen. Nach circa vier bis fünf Kilometern schlafen mir jetzt regelmäßig die Zehen ein, von der großen Zehe beginnend. Ich versuche dann, den Laufstil zu ändern, rolle zum Beispiel mehr über die Außenkante. Oft bleibt mir aber nur, eine kurze Strecke zu laufen. Was kann die Ursache hierfür sein? Zur Anmerkung: Ich habe mehrere gleiche Laufschuhe, die ich mir bei einem anerkannten Laufsportgeschäft nach ausführlichem Probelaufen habe zuweisen lassen.
Viele Grüße, Matthias

Lieber Matthias,
das Einschlafen der Füße beim Laufen haben wir hier mehrmals diskutiert. Die häufigsten Ursachen der Beschwerden sind eine Kompression (Einquetschung) von Nerven oder eine Durchblutungsstörung. Manchmal ist der Grund des Problems offensichtlich, zum Beispiel sehr schmale oder eng geschnürte Laufschuhe. Im Winter kommen vermehrt Durchblutungsstörungen wegen der Kälte vor. Es ist ziemlich eindrucksvoll für die Betroffenen, wenn die Zehen nicht nur unempfindlich, sondern auch ganz blass werden. Diese Durchblutungsstörung ist eher ein Reflex als eine Gefäßverengung. Wenn die Ursache der Beschwerden nicht so eindeutig und einfach zu finden ist, sollte eine medizinische Untersuchung erfolgen, um Klarheit zu schaffen.
Mit besten Grüßen, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Matthias,
manche Läufer berichten, dass die Taubheit nach einer Weile wieder verschwindet. Mal probiert? Ist natürlich riskant: Schwarze Zehen nach 35 Kilometern sind ja auch keine Lösung.
Gruß, Achim

Hallo Achim und Kompanie,
jetzt mal Tacheles! Olympia in Peking rückt näher. Mit meiner Zehn-Kilometer-Bestzeit von 36:41 Minuten kann ich noch keinen Blumentopf gewinnen. Will ich aber auch nicht. Eine Medaille wäre besser. Lieber allerdings über die Königsdistanz von 42 Kilometern. Einen Marathon bin ich schon mal gelaufen. Da es aber heißt: "Beim ersten nur durchkommen!", sagt die Zeit von 3:27 Stunden nicht allzu viel. Wie also kann ich mein Tempo deutlich erhöhen und nebenher genügend Ausdauer für güldene 42 Kilometer aufbauen? Falls Peking zu wenig Zeit lassen sollte, könnte ich mich auch noch auf London 2012 einlassen. Dann aber sollte es klappen, da ich schon jetzt 26 Jahre alt bin. Ich hoffe, meine nicht-afrikanischen Wurzeln und meine Größe von knapp zwei Metern stellen keine Hindernisse für das Projekt dar.
Danke, Nils

Hallo Nils,
zuerst mal musst du dir ein Einwanderungsland suchen, das dich einbürgert und dich mit deinen Zeiten Landesmeister werden lässt. Antillen oder so was? Vielleicht auch Liechtenstein. Da kriegt man ja alles für Geld.
Karriereberatung Achilles

Hi Nils,
Olympia! Das bedeutet für dich: zehn bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche. Einen Kilometerwochendurchschnitt im Jahresverlauf von 140, in der Spitze 250. Studium kannst du nebenbei noch absolvieren, aber glaube nicht, dass du dir was merken kannst. Job? Unmöglich. Also brauchst du auch noch einen Sponsor. Dann musst du gesund bleiben und die Höchstform im Olympiajahr haben. Wenn alles gut geht und du dich qualifizierst, bist du ein Olympionike! Dann geht der Stress erst richtig los: Am Tag X musst du in den zwei Stunden deines Sportlerlebens den Lauf aller Läufe hinlegen. Ich tippe bei dir auf 2:43 Stunden – wenn alle Afrikaner und die anderen auch zufällig nicht da sein sollten. Einen Trainingsplan mache ich dir gern. Aber heul' nicht rum hinterher.
Viele Grüße, Fast-Olympionike Karraß

Hallo Achim,
ich laufe eigentlich immer dieselbe Strecke im selben Tempo. Jetzt möchte ich mal schneller werden - wobei ich mich doch von diesem Zeit- und Leistungsgedöns nicht anstecken lassen wollte. Laut Klemmbrett geht das mit Sachen wie fünf x 1000 Meter Tempolauf. Um wieviele Sekunden sollte ich die 1000 Meter dabei ungefähr schneller sein?
Danke, Alfred

Hallo Alfred,
es kommt darauf an, welches Tempo auf welcher Streckenlänge gemeint ist. Wir nehmen mal Folgendes an: Der immergleiche Dauerlauf ist eine Stunde lang und führt über zehn Kilometer, bedeutet also ein Tempo von sechs Minuten pro Kilometer. Ich empfehle zuerst sechsmal 500 Meter in jeweils 2:45 Minuten (5:30 Minuten pro Kilometer). Geht das motorisch gut, kann sofort auf fünfmal 1000 Meter in jeweils 5:30 Minuten erhöht werden. Zwischen den Läufen ist eine gute Gehpause von zweieinhalb bis drei Minuten die oberste jk-Pflicht. Wem diese Pause lächerlich lang erscheint, darf die 1000 Meter schneller laufen. Da der Einstieg leicht gewählt wurde, kommt der Läufer ständig zu Erfolgsmeldungen und kann sich kontinuierlich verbessern. Wichtig ist es, die guten Stunden-Dauerläufe auch weiterhin einzuhalten und sich bei all den Verbesserungen der Tempolaufzeiten immer sauwohl zu fühlen. Angenehm-anstrengend darf es natürlich sein.
Viel Erfolg beim Ausprobieren, Jens Karraß

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